Film
No friends at dusk: Nolans „Tenet“ ist ein (etwas zu) virtuoser Mindfuck
Nachdem „Dunkirk“ eine formal bemerkenswerte, inhaltlich aber relativ substanzlose Stilübung war, ergänzt Nolan seine Reihe an Sci-fi-Filmen um „Tenet“. Sein elfter Film ist ein opulenter Agenten-Thriller über Quantenmechanik, Palindrome, Zeitreisen und logische Paradoxe. Kurz: „Tenet“ ist James Bond für Menschen mit Gehirn. Im Gegensatz zu „Inception“ und „Interstellar“ wird der emotionale Aspekt hier aber zugunsten des Formspiels vernachlässigt.
Der Protagonist (John David Washington) und Sidekick Neil (Robert Pattinson) im Freeport Foto: Warner Bros
Bescheidenheit geht anders: Während seine schlicht „The Protagonist“ (souverän: John David Washington) genannte Hauptfigur nicht weniger als den Dritten Weltkrieg verhindern soll, möchte Christopher Nolan mit seinem nunmehr elften Film den von der Pandemie geplagten Kinosommer retten. Nolan, der seine Karriere mit experimentellem, formal spannendem Autorenkino begann, gilt heute zu Recht als einer der wenigen Regisseure, die es vermögen, Blockbuster mit Herz, Seele und Verstand zu drehen. Seine Seele hat er trotz seiner drei Batman-Filme, mit denen er einer dahinsiechenden Franchise zu neuem Leben verhalf, nie verkauft. Da, wo die meisten Blockbuster eine Franchise so lange ausmelken, bis auch der hartnäckigste Fan zu Tode gelangweilt ist oder vor lauter Reboots die Filme nicht mehr voneinander unterscheiden kann, bietet Nolan seiner Produktionsfirma stets spannende Projekte an – und diese belohnen seine Kreativität mit aberwitzigen Geldsummen (Warner hat über 200 Millionen Dollar in den Film investiert), die seine opulenten Streifen auch benötigen.