Nachruf

Mit Marie-Thérèse Parasch ging am 19. Februar 2026 ein Stück Tetinger Geschichte

Am 19. Februar 2026 verstarb im Alter von 94 Jahren Marie-Thérèse Parasch, in Tetingen besser bekannt als „Paraschen Tréis“. Sie war tief mit ihrem Heimatdorf verwurzelt und engagierte sich über viele Jahre für das gesellschaftliche und politische Leben der Gemeinde.

Porträt von Marie-Thérèse Parasch, verstorben am 19. Februar 2026 im Alter von 94 Jahren

Marie-Thérèse Parasch ist am 19. Februar 2026 im Alter von 94 Jahren verstorben Foto: privat

Im Alter von 94 Jahren verstarb am 19. Februar 2026 Marie-Thérèse Parasch, in ihrem Heimatdorf Tetingen besser bekannt als „Paraschen Tréis“. Der Unterzeichnende kannte sie von seinem ersten Tag an, war sie doch mit dem Cousin meiner Mutter verheiratet und wohnte genau gegenüber in der Hauptstraße. Im Kindesalter und auch danach war für meine Schwester Marianne und mich selbst das Haus Parasch wie eine zweite Heimat auf der anderen Straßenseite, unterhalb des „Herenter“.

„Tata Thérèse“, geboren als Marie Thérèse Anne Wagner, stammte aus dem Viertel „Ënner der Bréck“, wo ihre Mutter Vicky Eigentümerin eines Wirtshauses an der Ecke Wasserstraße/Blumenstraße war. Sie hatte zwei Brüder, René und Charles. René war im Zweiten Weltkrieg zwangsrekrutiert worden und „kam nicht aus Russland zurück“, wie man sich damals resigniert ausdrückte.

Das Wirtshaus „beim Vicky“ war eine bekannte Adresse unter anderem für die unzähligen Bergleute, die in den Gruben Brommeschbierg und Huttbierg, an der Verladestelle „um Quai“ oder „um Plang“ arbeiteten.

Das erklärt die tiefe Verwurzelung von Marie-Thérèse mit ihrem Dorf Tetingen und besonders mit den Bewohnern des Viertels „Ënner der Bréck“. So wurden uns auch die Begriffe „A Moskau“ für die Blumenstraße und „Sibirien“ für die obere Wasserstraße geläufig, die auf eine spezifische Parteiangehörigkeit vieler Bewohner hinwiesen. Diese Ortsnamen sind heute dabei, gänzlich aus dem Sprachgebrauch zu verschwinden.

In der Blütezeit des Bergbaus geboren

Geboren am 6. September 1931 in einer Zeit, als der Bergbau auf Tetinger Gebiet seine Blütezeit hatte – der Tetinger Bahnhof war lange Zeit vom Minette-Frachtvolumen her einer der bedeutendsten des Landes –, erlebte sie Aufschwung und Niedergang der Montanindustrie. Sie redete immer die Sprache der Grubenarbeiterfamilien, dabei wurde selten ein Blatt vor den Mund genommen.

Marie-Thérèse heiratete am 9. Februar 1952 Armand Parasch, welcher mit der bemerkenswerten Tetinger Fußballmannschaft im Jahr 1951 den Landespokal gewinnen konnte. Wie Marie-Thérèses Bruder René war auch Armand zwangsrekrutiert worden, hatte aber das Glück, körperlich unversehrt aus dem Krieg zurückzukommen.

Ihr Sohn Romy wurde 1952 geboren und ging in Tetingen zur Schule, ehe er ins „Lycée de garçons“ in Esch wechselte. Viele Bürger hatten später mit Romy Parasch zu tun, da er in der Gemeindeverwaltung Kayl im technischen Dienst für die Baugenehmigungen zuständig war.

Marie-Thérèse war jahrzehntelang gestrenge Schatzmeisterin des Tetinger „Foyer de la femme“. Beim „Foyer de la femme“, welches sich regelmäßig im Haus „Regine“ versammelte, wurden Handarbeiten durch fleißige Damenhände angefertigt, deren Erlös bei der Generalversammlung an die Zentrale gespendet wurde. Dabei hatte man auch immer die Gelegenheit, die Neuigkeiten aus dem Dorf auszutauschen und sich auf den letzten Stand der Dinge zu bringen.

Erste LSAP-Frau im Gemeinderat

Wie oben angegeben war Marie-Thérèse Parasch fest mit ihrem Dorf und seiner Bevölkerung verwurzelt. So lag es nahe, dass sie Mitglied der LSAP wurde und ihre Kandidatur zu den Gemeinderatswahlen vom 11. Oktober 1981 stellte. Als der ehemalige Schöffe und Gemeinderat Théodore Eischen am 31. März 1984 seine Demission einreichte, wurde Marie-Thérèse in den Kayler Gemeinderat berufen. „Ihm folgt die ebenfalls zur LSAP gehörende Mme Parrasch-Wagner Marie-Thérèse, wohnhaft in Tetingen. Mit Mme Parrasch zieht die zweite Frau in den Gemeinderat ein. Doch sie ist die erste Frau, die als Mitglied der LSAP in den Gemeinderat einzieht. Ihren Eid legt sie am 11. Mai 1984 ab. (Jules Kauffmann: Auf den Spuren des Gemeinderats 1795-1990).“

Da sie sehr gut vernetzt war, waren die Sorgen und Nöte der einfachen Bürger ihr stetes Anliegen, wobei diese mehr in der Gemeinderatsfraktion als im Gemeinderat selbst vorgetragen wurden. Sie nutzte die Fraktionsversammlungen, um die Belange unserer Mitbürger weiterzugeben und so im Hintergrund ihren Einfluss geltend zu machen, ob das nun den jeweiligen Bürgermeistern gefiel oder nicht. Große Reden und Stellungnahmen im Gemeinderat waren zugegebenermaßen nicht ihr Ding, ihre politische Rolle war aber unbestritten.

Nach zwölf Jahren, im Jahr 1996, verließ Marie-Thérèse den Gemeinderat, um einem jüngeren Element ihren Platz zu überlassen.

Ihre Familie hatte sich zwischenzeitlich vergrößert mit ihrem Enkel Gilles, zu dem sie ein sehr inniges Verhältnis hatte und der sich bis zu ihrem letzten Tag um sie kümmerte. Ihr Mann Armand verstarb 2010 und so blieb Marie-Thérèse allein in dem eigentlich jetzt zu großen Haus zurück, bis Alter und Gesundheit sie dazu zwangen, ihren letzten Lebensabschnitt in einem Pflegeheim zu verbringen. Die mit Gilles Frau Cristina gezeugten Urenkel Noa, Kylian und Luca waren bis zur letzten Stunde ihr ganzer Stolz.

Mit Marie-Thérèse ist am 19. Februar 2026 ein Stück Tetingen verstorben, eine Zeugin der Lokalgeschichte, die politisch ihre Frau gestellt und geholfen hatte, ihre Gemeinde ein Stück weiterzubringen.

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