Nass, heiß und typisch
Luxemburg erlebt 2025 einen „Old school“-Sommer
Regen, plötzliche Hitze und wechselhaftes Wetter prägten den bisherigen Sommer in Luxemburg. Warum er dennoch typisch für das Großherzogtum ist – und wie heiß es noch werden könnte, erklärt Philippe Ernzer von Météo Boulaide.
Wenn die Sonne rauskommt, zieht es die Menschen aufs Wasser – so wie hier in Echternach Foto: Editpress/Julien Garroy
Die beiden Sommermonate Juni und Juli dürften bei den Einwohnern Luxemburgs eher verregnet in Erinnerung geblieben sein. Und auch auf das langjährige Mittel betrachtet, liegen die Niederschläge der beiden Monate über dem Durchschnitt der Referenzperiode 1991 bis 2020. Laut dem Monatsbericht von Meteolux fielen im Juni 82,4 Liter pro Quadratmeter, im Juli waren es sogar 100,1 Liter. Der Durchschnittswert für Juni aus den Jahren 1991 bis 2020 beträgt 75,6 Liter, der für Juli in dieser Zeitspanne 71,5 Liter pro Quadratmeter. Somit liegen Juni und Juli 2025 über diesem Durchschnitt. Das bestätigt auch Wetterexperte Philippe Ernzer von Météo Boulaide auf Tageblatt-Nachfrage: „Was den Regen im Sommer 2025 angeht, war er bis jetzt zu nass“. Er betont jedoch auch, dass es im Juni längere trockene Phasen gegeben hat, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen.
Im Juli gab es Schauer mit lokalem Charakter, oft mal von Blitz und Donner begleitet, die zu teils heftigen Regenfällen in kurzer Zeit führten. Die wirklich regnerische Phase setzte jedoch erst etwa um den 20. Juli ein, sodass der Monat insgesamt kein durchgehend so schlechter Sommermonat war, wie oft behauptet wird, sagt Ernzer.
Der Sommer 2025 hat ein „Verhaltensmuster“ hervorgebracht, das laut Ernzer durchaus typisch für Luxemburg ist. Trotz der zunehmenden Häufigkeit von Extremwetterereignissen zeige dieser Sommer in seiner Variabilität ein eher „Old school“-Verhaltensmuster auf. Ernzer erklärt, dass viele Menschen durch die heißeren und trockeneren Sommer der letzten Jahre inzwischen vergessen haben, dass die Sommer in Luxemburg traditionell eine gewisse Unbeständigkeit aufweisen.
Sommer erinnert an frühere Wetterlagen
„Lange warme und heiße Phasen ohne Regen gibt es normalerweise nur im Mittelmeerraum, aber durch den Klimawandel sind sie auch bei uns in den letzten Jahren häufiger geworden“, erklärt Ernzer. Diese „festhängenden“ Wetterlagen, bei denen es über längere Zeiträume hinweg keinen oder nur wenig Regen gibt, können jedoch auch in die entgegengesetzte Richtung kippen. So wie es 2021 der Fall war, als extreme Feuchtigkeit zu verheerenden Überschwemmungen führte. Insgesamt war der bisherige Sommer 2025 laut Ernzer von seiner generellen Struktur her jedoch eher „normaler“ als die letzten Jahre.
Lange warme und heiße Phasen ohne Regen sind durch den Klimawandel in den letzten Jahren auch bei uns häufiger geworden
Tageblatt-Wetterexperte Philippe Ernzer
Trotz dieser Rückkehr zu gewohnten Mustern, was die wetterbedingte Unbeständigkeit angeht, bleibt festzustellen, dass die Durchschnittstemperaturen in Luxemburg in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Wenn man die historische Referenzperiode von 1981 bis 2010 betrachtet, dann war jeder Sommer seit 2013 überdurchschnittlich warm, mal mehr, mal weniger. Einzig der Sommer 2021 zeigte eine nennenswerte Abweichung nach unten. Im Gegensatz dazu lag der Sommer 2024 nahezu im Durchschnitt.
Laut den Messungen von Meteolux zeigt sich der Sommer 2025 in einem Temperaturanstieg. Die durchschnittliche Temperatur lag im Juni bei 18,9 Grad Celsius. Die höchste gemessene Temperatur betrug 32,5 Grad am 22. Juni, während die niedrigste am 9. Juni mit 5,7 Grad sehr kühl war. Im Vergleich zum historischen Durchschnitt der Jahre 1991-2020, der eine Höchsttemperatur von 21,7 Grad im Juni zeigte, war der Juni 2025 deutlich heißer. Auch die minimalen Temperaturen lagen unter dem langjährigen Durchschnitt von 11,8 Grad. Verglichen mit der Durchschnittstemperatur der Referenzperiode 1991 bis 2020 von 16,7 Grad lag der Juni leicht darüber.
Im Juli 2025 stieg die Durchschnittstemperatur auf 18,4 Grad, mit einem Spitzenwert von 36,0 Grad am 2. Juli – deutlich höher als die 23,9 Grad, die für die Höchsttemperatur im Juli im Durchschnitt in den Jahren 1991 bis 2020 typisch sind. Auch die minimalen Temperaturen waren mit 7,9 Grad niedriger als üblich (13,8 Grad). Bei der Durchschnittstemperatur war der Juli dieses Jahr hingegen ziemlich „normal“. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Temperatur in der Periode von 1991 bis 2020 liegt bei 18,7 Grad.
Keine 40 Grad in Sicht – vorerst
Und wie sieht es mit den 40 Grad aus, von denen vor ein paar Wochen noch gesprochen wurde? – Die sind momentan nicht in Aussicht, sagt Ernzer. Anders sehe es jedoch in verschiedenen Teilen Spaniens und Frankreichs aus – hier kann die 40-Grad-Marke in der aktuellen Woche geknackt werden. Im Großherzogtum wird die Temperatur voraussichtlich bis auf etwa 34 oder 35 Grad ansteigen. Werte um die 40 Grad werden nur von einigen Modellen spekulativ genannt, aber darauf kann man sich nicht wirklich verlassen, so Ernzer. Im Klartext bedeutet das: „Damit es bei uns 40 Grad gibt, müsste sich noch einiges ändern“.
Dennoch gibt es für Sommerfreunde einen Grund zur Freude, denn: „Es scheint, dass wir ab jetzt eine längere Sommerphase erleben werden, die laut den meisten Modellen zumindest bis ungefähr den 18. August anhalten soll“, erklärt Ernzer. Laut dem Wetterexperten gebe es zurzeit auch Signale, dass im Anschluss ein weiterer Anlauf gestartet wird, allerdings sei das noch zu weit entfernt, um dies jetzt schon bestätigen zu können.
Doch sind 40 Grad bei uns überhaupt möglich? Generell sind 40 Grad in unseren Regionen eine „enorme Seltenheit“, allerdings seien sie auch nicht unmöglich, so Ernzer. Denn angesichts der steigenden durchschnittlichen Temperaturen, bedingt durch den Klimawandel, wird die Wahrscheinlichkeit für solch hohe Werte in den kommenden Jahren vermutlich zunehmen.