Spritpreise im Steilflug

„Können es nicht ändern“ – Autofahrer reagieren auf Preisanstieg an der Zapfsäule

Der Krieg im Iran sorgt für steigende Kosten an der Tankstelle. Was sagen Autofahrer dazu? Und wie wird der Preis in Luxemburg eigentlich berechnet?

Tankstelle in Wasserbillig mit wenig Verkehr an einem ruhigen Dienstag, freie Zapfsäulen und leere Parkplätze

Diese Tankstelle in Wasserbillig war am Dienstag nicht überfüllt Foto: Editpress/Tun Stemper

Israel und die USA greifen seit mehr als einer Woche den Iran an. Konsequenz: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus – normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels – ist fast komplett zum Erliegen gekommen. Das ist auch an Luxemburger Tankstellen spürbar: Aktuell kostet ein Liter 95er-Benzin 1,654 Euro, 17 Cent mehr pro Liter als vor Kriegsbeginn. Beim Diesel ist die Entwicklung noch drastischer: Von 1,465 Euro pro Liter ist der Preis seitdem auf 1,828 Euro gestiegen.

Grafik mit steigenden Spritpreisen aufgrund geopolitischer Spannungen und globaler Energiekrise

Die Grafik zeigt: Die Spritpreise steigen bei geopolitischen Spannungen Grafik: Editpress

Das stellte am Dienstagabend auch Markus Cilliem (42), der in Deutschland wohnt, an einer Tankstelle in Wasserbillig fest: „Es ist natürlich belastend für die Menschen, wenn sie so viel für Sprit blechen müssen.“ Er tankte 56,55 Liter Benzin für 88,33 Euro. In Luxemburg sei es weniger schlimm als in Deutschland. „Wir hatten teilweise Preise von 2,09 Euro pro Liter. Das ist nicht so positiv für den Geldbeutel.“ Daher tanke er immer in Luxemburg.

Markus blickt hoffnungsvoll in die Ferne, Symbol für Wunsch nach geopolitischer Entspannung und Alltagserleichterung

Markus hofft auf eine geopolitische Entspannung, „damit normale Bürger wieder das Leben bewältigen können“ Foto: Editpress/Tun Stemper

Gelassenheit an der Zapfsäule

„An der geopolitischen Situation können wir nicht viel ändern“, sagte Pit (30), der auch in Wasserbillig tankte. Für knapp 20 Liter zahlte er etwas mehr als 33 Euro. „Die Preise sind bereits während der Pandemie gestiegen. Ich denke, das wird jetzt auch so sein, dass sich die Beträge irgendwann stabilisieren.“ Er müsse arbeitsbedingt viel Auto fahren, daher sei er es gewohnt, oft zu tanken. „Im Moment spüre ich noch keinen großen Unterschied.“ Und doch hoffe er, dass die Preise wieder sinken. Er sei jedoch froh, dass es in Luxemburg noch günstiger sei als in Deutschland. Auch gebe es in Luxemburg Alternativen wie den kostenlosen öffentlichen Transport – ein Grund, darüber nachzudenken, wann man das Auto wirklich braucht.

Im Moment spüre ich noch keinen großen Unterschied

Pit

Autofahrer

„Ich verstehe den Hype nicht, 20 Prozent des Treibstoffs kommen aus der Region – wir wussten, was auf uns zukommt“, sagte auch ein 65-jähriger Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Den Krieg verstehe er auch nicht. „70 Jahre ohne Krieg, und dann gibt es Querköpfe, die unbedingt Krieg haben wollen.“ Er fahre wenig Auto, weswegen er die gestiegenen Spritpreise nicht spüre. Für 33,02 Liter zahlte er 51,58 Euro.

„Die geopolitische Lage ist, wie sie ist“, sagte ein anderer Mann, der ebenfalls anonym bleiben möchte. Er tankte 63,66 Liter Diesel für 112,49 Euro. Er tanke das erste Mal, seit die Preise gestiegen sind, daher spüre er die Auswirkungen noch nicht stark. „Bis jetzt hält es sich in Grenzen.“ Die Preise habe er kurz vor dem Tanken noch nachgeschaut, er fahre jedoch nicht extra vor dem nächsten Preisanstieg zur Tankstelle.

Während Autofahrer die Preissteigerungen an der Zapfsäule wahrnehmen, wird der Tagespreis nach einer klaren Formel berechnet. Wie diese zustande kommt, erläuterte Georges Lanners vom Energieministerium dem Tageblatt in einer Videokonferenz: Basis für die Berechnung ist eine Formel, die den Wechselkurs des Dollars, den Preis auf dem Rohölmarkt, Transport- und Lagerkosten sowie Steuern berücksichtigt. Dafür sammelt ein unabhängiges Institut täglich von allen Firmen, die Benzin- und Dieselprodukte, aber auch Heizöl verkaufen, Daten, um die jeweiligen Marktpreise zu erfassen. Daraus entstehen sogenannte Preisnotierungen, aus denen der Tagespreis errechnet wird.

„Ölmarkt ist ein freier Markt“

Doch auch wenn diese Formel täglich einen Höchstpreis generiert, wird der reelle Betrag an den Tankstellen nicht immer an diesen angepasst. Tatsächlich vergleicht das Luxemburger Energieministerium den berechneten theoretischen Preis mit dem momentanen Preis an den Tankstellen. Erst wenn dabei größere Durchschnittsabweichungen festgestellt werden, ändert sich der Betrag an der Zapfsäule. Das ist beim Diesel etwa der Fall, wenn der Unterschied in den vergangenen zwei Tagen bei über 10 Euro pro 1.000 Liter liegt. Gleiches gilt bei einer durchschnittlichen Preisdifferenz in den zehn Tagen davor von mehr als 6 Euro pro 1.000 Liter. So soll garantiert werden, dass der Maximalpreis die Entwicklung auf den internationalen Ölmärkten widerspiegelt, ohne den Kunden ständigen Preisschwankungen auszusetzen. Das sei Konsumentenschutz, sagte Georges Lanners. Er unterstrich, dass der Staat keinen Einfluss auf die Preisentwicklung hat und Preissteigerungen nicht verhindern kann. „Der Ölmarkt ist ein freier Markt“, so Lanners.

Wir verfügen momentan noch über alle unsere Reserven

Georges Lanners

Energieministerium

Und in Zukunft? Ein Anstieg von 21 Cent pro Liter käme selten vor, sagte Eric Bleyer, Präsident des „Groupement énergies mobilité Luxembourg“ (GEML), dem Verband der Benzin- und Gasfirmen in Luxemburg, und Direktor von „Aral Lëtzebuerg“, kürzlich dem Radiosender 100,7. Dennoch wollte er weitere Erhöhungen nicht ausschließen. „Leider müssen wir davon ausgehen, dass der Preis weiter steigen wird.“ Er könne jedoch keine genauen Vorhersagen treffen. Ähnlich sah es Georges Lanners: „Ich gehe davon aus, dass wir mit weiterem Druck auf die Preise leben müssen.“

Die Preise für Benzin und Diesel schwanken oft unterschiedlich. Das sei so, weil Diesel in der Industrie und von Lkw benutzt werde, erklärte Bleyer bei 100,7. Die Nachfrage sei dort stärker und wenig flexibel. Dazu käme, dass Europa mehr Benzin als Diesel herstelle, letzteren dafür stärker importiere. Kurzfristig Diesel statt Benzin zu produzieren, sei nicht möglich, da Raffinerien nicht von heute auf morgen auf Dieselproduktion umstellen könnten.

Reserven für 45 Tage

Luxemburg sei nach Angaben von Lanners gut auf weitere Preiserhöhungen vorbereitet: „Wir haben Sicherheitsreserven für 45 Tage.“ Damit könne das Land den Ausfall der Straße von Hormus kompensieren. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) habe dem Ministerium mitgeteilt, es gebe keinen Grund dafür, Sicherheitsreserven auf den Markt zu bringen. „Wir verfügen momentan noch über alle unsere Reserven, und sie wurden noch nicht angefasst.“ Außerdem befinden sich aktuell noch mit Öl beladene Schiffe auf dem Weg nach Europa, die die Meerenge von Hormus noch vor Kriegsbeginn passiert haben. Danach sollten die Luxemburger Sicherheitsreserven die Ausfälle ausgleichen.

1 Kommentare
Mustafa 11.03.202609:29 Uhr

Haben die Ölkonzerne die Osterferien schon mit einberechnet oder kommt der Preisschub auch noch hinzu?Die Hälfte des Preises macht die Steuer aus.Wie wär´s denn Vater Staat? Müssen ja nicht alles in die Ukraine schicken. Für uns müsste doch auch ein wenig übrig sein.

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