Die „John Wick“-Reihe
Kafkaeske Vivaldi-Variationen aus Licht
Dass die „John Wick“-Reihe in besonderem Maße Actionfilme sind, müsste nach dem mittlerweile in den Kinos angelaufenen vierten Teil augenfällig sein.
Die „John Wick“-Reihe ist die passende Bühne für Keanu Reeves, eine leere Hülle, der Inbegriff eines nicht weiter definierten Zeichens Foto: Lionsgate
Seit den Achtzigerjahren ist der Begriff der Action virulent geworden, tatsächlich machte sich sein Aufkommen besonders beim Erscheinen des Films „Die Hard“ (1988) bemerkbar(1). Die Action wurde gleichsam zur narrativen Triebfeder von Filmen, die mit eigenen Franchises bis heute reichen, man denke da an „James Bond“, „Jason Bourne“, „Mission Impossible“, „Taken“. Wo aber noch die jüngeren Bond- oder Bourne-Filme die Identitätskrise des Agenten behandeln, die Taken-Serie auf die Missbräuche eines international operierenden Prostitutionsringes hinweist, die „Mission Impossible“-Reihe nach der Legitimation von Geheimdienstorganisationen fragt, da scheint bei „John Wick“ eine inhaltliche Leerstelle gesetzt und die Reihe deshalb keinerlei realweltlichen Mehrwert anzubieten – eine simplistische Revenge-Story ohne Hintersinn. Ein derartiges Postulat und der daraus erwachsende Vorwurf können indes nur in die Leere laufen, weil der Kunstcharakter der Reihe regelrecht missachtet, übersehen wird. Um sich aber dem Phänomen und dem ungemeinen Erfolg von John Wick zu nähern, muss zunächst sein Ursprung beleuchtet werden.