Literatur
Käse und Bomben: Thomas Pynchons letzter Roman „Schattennummer“ ist eine Irrfahrt durch die 1930er-Jahre
Endlich wieder ein Lebenszeichen von Thomas Pynchon, einem der rätselhaftesten Autoren der Weltliteratur. Der im vergangenen Herbst auf Deutsch erschienene Roman „Schattennummer“ ist sein erstes Buch seit zwölf Jahren – und führt die Leser wieder in sein ureigenes Universum voller historischer Bezüge.
US-Prohibitionsbeamte nehmen bei einer Razzia eine Bar auseinander Foto: U.S. National Archives and Records Administration
„Wenn Ärger in die Stadt kommt, nimmt er meist die North-Shore-Linie.“ Was für ein Satz! Was für ein Anfang für einen Roman! Als würde der Autor gleich mit den ersten Sätzen seines neuen Buches zeigen, dass er in einer eigenen Liga schreibt. Mit „Schattennummer“ kommt Thomas Pynchon schnell zur Sache. Er deutet nicht nur an, sondern spricht es klar an: „Weiter südlich am See, in Chicago, sind die Zeiten hart, der Wind hat gedreht, die Aufhebung der Prohibition steht kurz bevor, Big Al sitzt im Bundesknast in Atlanta, das Syndikat ist sprunghaft und unberechenbar geworden, und wer einen Vorwand braucht, schleunigst zu verschwinden, fährt nach Milwaukee, wo selten was Schlimmeres passiert, als dass einem jemand einen Fisch klaut.“