Essay
„I’m not here, this isn’t happening“: „Kid A“, „Black Market Music“ und „Hybrid Theory“ werden 20
Während man in England Künstlern und Musikern einen Kurswechsel empfehlt, feiern drei Kultplatten ihren 20. Geburtstag. Man kann die Gelegenheit für eine nostalgische Zeitreise in den musikalisch hochproduktiven Oktober 2000 nutzen – oder man denkt darüber nach, ob angesichts der aktuellen Produktionsbedingungen musikalische Innovationen wie Radioheads „Kid A“ heute überhaupt noch möglich sind.
Radiohead-Sänger Thom Yorke Foto: Scanpix Denmark
Jeder wird es kopfnickend bestätigen: Ohne Kultur hätten wir den Lockdown nicht überstanden. Ohne Kultur würden wir die vielleicht wieder bevorstehenden Ausgangsbeschränkungen damit verbringen, uns mit Partnern oder entfremdeten Familienangehörigen zu zanken. Im einsamen Frühjahr wurde bis zur Server-Überhitzung gestreamt, wir haben virtuelle Serienlisten abgehakt, endlich ein paar Klassiker (oder einfach nur Camus’ „Pest“) gelesen, haben abends bei Rotwein melancholische Bands gehört, um den passenden Soundtrack zum heraufbeschworenen Weltuntergang maßzuschneidern.