Ironman-Serie

Ich höre auf … mit dem Rauchen: Wie sich Training ohne Nikotin anfühlt

Der Großteil aller Raucher will mal mit dem Rauchen aufgehört haben. Es ist nur das Aufhören, das schwer – nahezu unmöglich – scheint.

Louis Elsen hat mit dem Rauchen aufgehört, um beim Ironman-Training weiter Fortschritte zu machen

Louis Elsen hat mit dem Rauchen aufgehört, um beim Ironman-Training weiter Fortschritte zu machen Illustration: Tageblatt/Kim Kieffer

Ironman-Serie

In der Ironman-Serie nimmt Tageblatt-Journalist Louis Elsen euch auf seinem Weg zum Ironman in Klagenfurt mit.

Schon fast zehn Jahre hänge ich an ihr – der Zigarette. Mit 17 angefangen und bis auf eine kurze Unterbrechung nie damit aufgehört. Das soll sich aber ändern. Das Projekt Ironman war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte – aufhören will ich eigentlich schon viel länger.

Eine letzte. Die Allerletzte. Mit meinen leicht gelblich gefärbten Fingernägeln öffne ich an jenem Silvesterabend meine Packung Zigaretten. Ich sehe die eine Verbleibende – die sogenannte Glückszigarette. Diese habe ich nach dem Kauf jeder einzelnen Schachtel als erste Zigarette umgedreht und wieder zurückgesteckt – sie wird als letzte geraucht. Was das mit Glück zu tun hat, kann ich nicht sagen, vielleicht, dass man noch eine weitere Schachtel überlebt hat?

Tanz der Zigaretten

Vom Öffnen einer frischen Packung, über das Entnehmen der Zigarette bis zum Anzünden hat jeder Handgriff gesessen. Es erinnert an einen Tanz. Diese Schritte unterscheiden sich bei jedem Raucher, es ist wie ein Fingerabdruck, ein Teil der Persönlichkeit.

Und genau das ist einer der zwei großen Punkte, warum es mir schwerfiel, mit dem Rauchen aufzuhören. Dieser trügerische Glaube, man würde einen Teil seiner Selbst mit der Zigarette ablegen. Irgendwie stimmt es auch – man gibt Dinge neben der Zigarette ab, sobald man aufhört. Nur sind diese Dinge sind keine Persönlichkeitszüge, sondern: Gestank, Unterbrechungen im Alltag, das Abhängigkeitsgefühl einer Droge, eine überflüssige Ausgabe und noch vieles Weitere.

Wie geht es ohne?

Der zweite große Punkt, der mich vom Aufhören abgehalten hat, ist folgender: Der Mangel an Vorstellungskraft, wie Situationen ohne Zigarette sich anfühlen. Für Nichtraucher klingt das wahrscheinlich dumm und nach schwacher Willenskraft – Raucher wissen jedoch genau, wovon ich rede.

Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es ist, nach dem Essen keine zu rauchen. Oder morgens einen Kaffee ohne Kippe zu genießen. Im Sonnenschein auf einer Terrasse neben dem gekühlten Bier nicht eine nach der anderen anzuzünden. Nach einem Erfolg oder abgeschlossener Arbeit nicht erst mal eine zu qualmen. Nach einer vermeintlichen Stresssituation sich nicht mit einer Zigarette zu beruhigen. Als Raucher habe ich mir Folgendes gedacht: Wenn am Gipfel eines Berges keine frische Zigarette auf mich wartet, hat es dann überhaupt einen Sinn, diesen zu erklimmen?

Jetzt, nach den ersten drei rauchfreien Monaten, sage ich: All diese Situationen kann man sogar noch besser ohne Zigarette genießen. Der Kaffee am Morgen schmeckt sogar noch besser. Der Stress wurde nicht vom Nikotin gelindert, sondern wegen des Mangels desselben verursacht. Und an der Spitze jedes Gipfels denke ich jetzt an alles, nur nicht an eine Zigarette.

Was war anders?

Eine Frage bleibt jedoch: Was war dieses eine Mal anders im Vergleich zu all meinen vergangenen, missglückten Versuchen, die Gewohnheit abzulegen? Meine klare Antwort – ich wollte es. Klingt simpel, ist aber so. Durch das Projekt und durch meinen Willen, dieses so gut wie möglich zu meistern, fiel es mir eigentlich nicht besonders schwer, die Sucht abzulegen.

Klar, die ersten Tage und Wochen war das Verlangen groß, hier und da noch mal eine mitzurauchen. Hätte ich das gemacht, hätte sich mein Aufhören nach Niederlage angefühlt – und das wollte ich vermeiden. So war es für mich am einfachsten, einen klaren Schnitt zu machen, statt langsam aufzuhören. Das heißt nicht, dass das der richtige Weg für jeden ist.

Nach drei Monaten weiß ich, dass das auch eine starke Auswirkung auf meine Fitness hatte. Bei meinen Trainings war mein Puls nach einer Woche schon durchschnittlich um zehn Schläge niedriger. Beim Laufen hatte ich seitdem keine Lungenschmerzen mehr. Generell bin ich weniger schnell aus der Puste – auch in Alltagssituationen.

Abschließend kann ich sagen, dass ich trotz meines starken Willens noch immer nicht ganz auf der gewonnenen Seite bin. Die Lust erwischt mich immer noch hier und da mal. Ich widerstehe ihr nur und werde das in Zukunft auch weiterhin so machen.

Trainingswochen 17-22

Ich höre auf … mit dem Rauchen: Wie sich Training ohne Nikotin anfühlt

Fast vier Monate sind jetzt vergangen und der Fortschritt ist klar und deutlich in den Zahlen abzulesen. Beim Laufen hatte ich die ersten vier Wochen meines Trainings eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 7:30 Min./km. Jetzt, in den vergangenen vier Wochen, lag diese Zahl bei 6:00. Eine Verbesserung von 20 Prozent, was bei einem Halbmarathon eine halbe Stunde ausmacht. Bei dieser Differenz in der Geschwindigkeit ist mein Puls aber gleich geblieben und teils sogar noch niedriger geworden – was ein gutes Zeichen ist.

Dieser schnelle Fortschritt ist aber anfangs eher normal und die Kurve wird wahrscheinlich in den kommenden Monaten abflachen. Hier spielt eine Kombination aus Fitnessaufbau, Gewichtsverlust und Muskeltraining eine wichtige Rolle – alles fließt gleichzeitig in meine Resultate mit ein.

Die ersten Rennen liegen bereits hinter mir. Beim „Postlaf“ konnte ich mit 51:32 Minuten meine Bestzeit über 10 Kilometer aufstellen. Die Uhr zeigte 5:04 Min./km – so schnell hätte ich mich selbst noch nicht eingeschätzt.

Das sagt mein Trainer Paulo Gonçalves

Trainer übergibt Louis wöchentlich individuellen Trainingsplan für effektives Fitnessprogramm

Der Trainer macht Louis jede Woche einen angepassten Trainingsplan Foto: Editpress/Julien Garroy

„Jetzt wird alleine weitergearbeitet“, sagt mir Coach Paulo Gonçalves am Telefon. Dass Cédric aufgehört hat, findet er noch immer schade. Er ergänzt aber, dass es wohl die richtige Entscheidung war, wenn das Mentale nicht von Anfang an da war.

„Solange du dich nicht verletzt oder krank wirst, können wir so weitermachen“, denn es läuft nach Plan, sagt Paulo. Auf gutes Wetter hofft er, damit die Ausfahrten mit meinem neuen Rennrad noch mehr Spaß machen. An dieses muss ich mich langsam gewöhnen, rät der Trainer mir. Da es ein Zeitfahrrennrad ist, hat man eine andere Haltung, die mehr den Rücken und die Schultern beansprucht. In den kommenden Wochen soll ich versuchen, dieses mehr ins Training einzubauen.

1 Kommentare
M.Land 03.04.202615:51 Uhr

Nikotin. Eines der stärksten Gifte und auch mit sehr hohem Suchtpotential. Man sollte als Jugendlicher sofort aufhören,solange das Zeug noch ekelhaft schmeckt und die Lunge sich hustend dagegen wehrt.
Danach sagt einem das Gehirn..."hey.Wo bleibt mein Gift?" und gibt erst Ruhe wenn der Stengel glimmt. Geht aber auch mit Alkohol und Dope. Sterben müssen wir alle,fragt sich nur wann und vor allem..wie. Beim Tabak dauert es lange und es ist qualvoll.

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