Serie
Historisches und architektonisches Esch (11): Die Brasseurschmelz (2)
Parallel zur Erweiterung und Modernisierung der Produktionsstätte entwickelte sich das Stadtgefüge rund um die Aachener: die Viertel Grenze, Hoehl, Barbourg mit ihren Arbeitersiedlungen,1894 alte Barburger Kolonie/Katzenberg, genannt „op der Féckerei“ (auf der Fickerei), 1901 Aachenerstraße/rue Renaudin, 1904 von der Rath-Straße/rue des Mines und der Hoehlstraße, eine gerade Arterie, flankiert von einer disparaten Abfolge von Wohnhäusern, Lebensmittelgeschäften und vor allem Cafés und Wirtshäusern. Die Hoehl – die heutige rue Jean-Pierre Bausch – war für viele Bergleute auch der Weg zur Arbeit.
Postkarte von 1905 mit der Botschaft: „Die Hochöfen, in denen sie jetzt streiken.“ Vor der Reihe der Hochöfen sieht man die alten, vom Streik betroffenen hölzernen Erzhallen. Sie wurden 1907 durch moderne Züblin-Erzakkumulatoren ersetzt, die weniger Arbeiter erforderten. Links ist der neue Hochofen Nr. V mit Schrägaufzug zu sehen, der 1900 eingeweiht wurde. Foto: Archives de la Ville d’Esch, Postkartensammlung
War der Belgier Adolphe Kroll (1849-1930) der Mann der ersten Modernisierung, so war Rudolf Seidel (1862-1937) der Hütteningenieur, der um die Jahrhundertwende die neuesten technologischen Innovationen im Escher Werk einführte. Er war es, der 1899 den neuen Hochofen nach amerikanischem Modell baute, damals ein wahrer Koloss mit Schrägaufzug, ein Novum für das gesamte Gebiet des Zollvereins.