CinEast-Festival

Heimspiel für Damir Mehićs bejubelten Kurzfilm „Eng Wantermelodie“

„Eng Wantermelodie“ („A Winter Melody“) ist sein erster Film, der beim CinEast-Festival zu sehen ist, und sein erster, der in Luxemburg gezeigt wird. Mobbing, Migration, schwierige sozioökonomische Verhältnisse: Damir Mehićs Kurzfilm behandelt in 25 Minuten verschiedene Themen – und zieht gleich mehrere Register der Filmsprache.

Die bei den Dreharbeiten elfjährige Lucia Dragnić in „Eng Wantermelodie“

Die bei den Dreharbeiten elfjährige Lucia Dragnić in „Eng Wantermelodie“ Foto: Damir Mehić

Die zehnjährige Melisa ist in der Schule isoliert. Von den Mitschülern wird sie gemieden oder gehänselt, weil sie altmodische Kleider trägt. Derweil findet sie Trost in der Musik. Als die anderen Kinder darüber reden, was sie zu Weihnachten geschenkt bekommen, ist sie traurig. Ihre Familie ist muslimisch und stammt aus Bosnien. Daher feiert sie nicht Weihnachten. Melisa hätte jedoch so gerne ein Klavier, doch ihre alleinerziehende Mutter hat es mit ihrer Arbeit als Haushälterin und Reinigungskraft schwer, um mit ihrer Tochter und dem etwas älteren Sohn über die Runden zu kommen.

In „Eng Wantermelodie“ („A Winter Melody“) werden mehrere Sprachen gesprochen: Bosnisch, Französisch, Luxemburgisch. Und zum Schulalltag gehört es leider auch, dass sowohl im Klassenzimmer als auch auf dem Schulhof gemobbt wird. Mehić schneidet diese Themen kurz an, ebenso wie die schwierige sozioökonomische Situation von vielen Alleinerziehenden, vor allem von Frauen. In die Tiefe zu gehen, ist in einem Kurzfilm schwer, gleich welche Filmgattung oder welches Genre es ist. Die Handlung ist entsprechend reduziert. Umso mehr wird mit Metaphern und Allegorien gearbeitet. Und mit der dem Film ureigenen Bildsprache. Kurzfilme sind mehr als Fingerübungen, sie sind künstlerische und handwerkliche Miniaturen – und oft unterschätzt.

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