In Luxemburgs Kinos
„El Deshielo“: Über die kindliche Sicht auf Chiles Wandel und das Schweigen nach Pinochet
In „El deshielo“ verbindet Manuela Martelli das Verschwinden einer jungen Skifahrerin mit den Nachwirkungen der chilenischen Diktatur. Überwiegend aus der Perspektive eines Kindes erzählt, gewinnt der Film seine Spannung aus Andeutungen, Auslassungen und einer Stille, in der das Unausgesprochene Raum erhält.
Spielen in „El deshielo“ mit: Maya O’Rourke (r.) und Saskia Rosendahl (l.) Quelle: imdb.com
Tauwetter verspricht Veränderung. Was unter Schnee und Eis verborgen liegt, kommt allmählich zum Vorschein. Der Titel „El deshielo“ (The Meltdown) beschreibt damit einen Vorgang, der sich auch politisch lesen lässt. Manuela Martellis zweiter Langfilm spielt 1992 in Chile, zwei Jahre nach dem Ende der Pinochet-Diktatur. Das Land befindet sich im demokratischen Aufbruch, doch mit dem Wechsel der Staatsform verschwinden weder eingeübte Verhaltensweisen noch die Erfahrungen der Gewalt. Unter der Oberfläche einer neuen Gegenwart dauert die Vergangenheit fort.