Car-Sonndig in Echternach

„Dieses Auto bringt jedem ein Lächeln ins Gesicht“ – Zwischen glänzenden Oldtimern zählt vor allem eines – die Freude am Fahren

Ein kleines Goggomobil zieht beim „Car-Sonndig“ in Echternach alle Blicke auf sich – und zeigt, dass es bei Oldtimern vor allem um eines geht: den Spaß.

Hunderte Oldtimer in Echternach verwandeln das Stadtzentrum in ein lebendiges Freilichtmuseum voller historischer Fahrzeuge

Hunderte Oldtimer verwandeln das Zentrum von Echternach in ein Freilichtmuseum Foto: Carole Theisen

Echternach am Ostersonntag: Beim „Car-Sonndig 2026“, der nach den erfolgreichen Treffen der vergangenen Jahre erneut zahlreiche Besucher anzieht, reiht sich ein Oldtimer an den nächsten. Mehr als 200 Fahrzeuge stehen dicht an dicht in historischer Kulisse. Große Namen, seltene Modelle, glänzender Lack. Und mittendrin: ein kleines, fast unscheinbares Auto, das die Blicke auf sich zieht wie kaum ein anderes. Das Goggomobil.

„Meinen ersten Goggo hatte ich mit 14 Jahren“, erzählt Besitzer Stefan Grün. „Damals habe ich ihn selbst hergerichtet, bis ich meinen Führerschein gemacht habe. Ich bin stolz damit rumgefahren. Mit 21 habe ich ihn dann wieder verkauft.“ Doch er hinterließ eine Lücke.

Das Goggomobil gehört zu den prägenden Mikroautos der Nachkriegszeit. Produziert wurde die Modellreihe zwischen 1955 und 1969 von Hans Glas im bayerischen Dingolfing. Insgesamt entstanden über 280.000 Fahrzeuge – darunter Limousinen, Coupés und Transporter.

Stefan Grün sitzt in seinem klassischen Goggomobil Coupé 250 von 1965, Oldtimer in leuchtendem Blau

Stefan Grün in seinem Goggomobil Coupé 250 (1965) Foto: Carole Theisen

„Vor fünf Jahren hatte ich plötzlich wieder Lust darauf“, sagt Grün. „Mein Bruder meinte noch: Schau erst mal, ob du überhaupt noch reinpasst.“ Grün lacht. „Ich habe heute schließlich 30 Kilo mehr.“

Dann taucht dieses Fahrzeug auf. 4.800 Kilometer, Erstlack, Originalzustand. „Ich habe ihn blind am Telefon gekauft“, sagt Grün. „Ohne ihn vorher gesehen zu haben.“ Der Wagen war nicht fahrbereit. „Der Motor war fest“, sagt Grün. „Aber es waren unglaublich viele neue Teile dabei. Alles, was man braucht, um ihn wieder zum Leben zu erwecken.“

Dass er sich das zutraut, ist kein Zufall. Grün ist gelernter Karosseriebauer. „Ich mache alles selbst“, sagt er. „Die Mechanik habe ich mir über die Jahre angeeignet.“ Das Goggomobil ist kein komplexes Fahrzeug im heutigen Sinne – aber gerade darin liegt seine Eigenheit. 250 Kubikzentimeter, zugelassen für rund 85 km/h. „Mehr als 70 will man ohnehin nicht fahren“, sagt Grün. „Sonst bekommt man großen Respekt.“

Doch das ausgestellte Coupé ist nicht sein einziges Projekt. Stefan Grün arbeitet bereits am nächsten Kapitel seiner Goggomobil-Geschichte. „Ich habe noch einen zweiten – einen 400er“, sagt er. „An dem bin ich gerade dran.“ Dieses Modell ist deutlich seltener und stärker motorisiert. Während das gezeigte Coupé mit 250 Kubikzentimetern unterwegs ist, bringt es der 400er auf mehr Leistung und rund 20 PS. „Der würde über 100 fahren“, sagt Grün. „Aber ehrlich: Das will man gar nicht.“

Ein Gegenpol zur Perfektion

Zwischen hochpreisigen Oldtimern, deren Wert oft sechsstellige Summen erreicht, wirkt das Goggomobil fast wie ein Fremdkörper. Und genau darin liegt seine Stärke. „Bei teuren Autos entsteht manchmal Neid“, sagt Grün. „Hier ist das anders. Die Leute sind offen, freundlich. Sie kommen ins Gespräch.“ Menschen bleiben stehen, lächeln, zeigen auf Details, machen Fotos. Das Auto wirkt zugänglich und vertraut.

Der Car-Sonndig lebt von solchen Momenten. Auch andere Teilnehmer bringen ihre eigenen Geschichten mit. Jessy Klicek etwa, Besitzer eines Opel Kadett C GTE, beobachtet: „Jeder, der hier vorbeikommt, hat eine Erinnerung an dieses Auto.“ Sein Modell stammt aus dem Rallyesport, wurde umgebaut, verbreitert, angepasst. „Auch Walter Röhrl ist so einen gefahren. Es ist ein Auto zum Fahren, nicht zum Wegstellen“, sagt er. „Diese Version wurde in Südfrankreich gefahren. Der Zustand ist deshalb noch erstaunlich gut.“ Klicek hat den Wagen weiterentwickelt, ihn in eine sogenannte Gruppe-4-Version umgebaut. „Breiter, stärker, näher an dem, was damals im Rallye gefahren wurde.“

Opel Kadett von Jessy Klicek in Bewegung, sportlich und fahrbereit, ikonisches deutsches Auto für Fahrspaß

Der Opel Kadett von Jessy Klicek: gebaut zum Fahren, nicht zum Stillstehen Foto: Carole Theisen

Und doch: Auch hier geht es nicht um Leistung allein. „Ich war immer Fan dieser Karosserieform. Als ich den Wagen gefunden habe, war sofort klar, dass ich ihn nehme. Das war eine eigene Ära. Und ich wollte genau dieses Gefühl wiederhaben.“ Gefahren wird der Kadett nicht zum Angeben, sondern zum Erleben. „Ich fahre Klassikrallyes, einfache Orientierungsfahrten. Es geht nicht um die Zeit, sondern um den Spaß.“

Klaus Wadle und Felix Neu, sind mit kleinen Honda-Motorrädern – „Monkey“ und „Dax“ – aus der Nähe von Bitburg angereist. „Wir hatten solche Maschinen schon vor über 50 Jahren“, erzählt Wadle. „Wir sind damit durch den Matsch gefahren, bis man sie kaum mehr erkennen konnte. Irgendwann waren sie dann weg.“

Honda Monkey und Dax Motorräder unterwegs für Fahrspaß und Retro-Design, nicht für Geschwindigkeit

Der Honda „Monkey“ und „Dax“ sind unterwegs für den Spaß, nicht für die Geschwindigkeit Foto: Carole Theisen

Heute sammeln sie genau diese Modelle. Und fahren sie, langsam und bewusst. „Man ist nah am Boden“, sagt Neu. „Und man hat Zeit, sich die Landschaft anzusehen.“ Die Technik ist simpel, der Komfort begrenzt. „Nach 60, 70 Kilometern ist der Tank leer“, sagt Wadle. „Und Stoßdämpfer? Die hatten die alten Modelle gar nicht.“

Warum also das alles? „Es geht einfach um den Spaß!“

Motivierendes Zitat auf schwarzem Hintergrund: „Nicht Perfektion zählt, sondern die Geschichte eines Fahrzeugs“

Nicht Perfektion zählt, sondern die Geschichte, die ein Fahrzeug erzählt Foto: Carole Theisen

Kommentar einer Oldtimer-Fahrerin

Oldtimer – das klingt für viele nach makellosem Lack, perfekt restaurierten Karosserien, geschniegelt bis ins Detail. Nach Autos, die mehr glänzen als fahren. Doch Oldtimer sind auch die anderen. Die mit Patina. Die, die gefahren werden. Die, die tatsächliche Spuren der gelebten Zeit tragen.

„Es geht einfach um den Spaß“, sagen mehrere Teilnehmer an diesem Tag. Und doch existiert sie, diese leise Grenze im Kopf. Zwischen „echten“ Oldtimern und denen, die nicht ganz ins Bild passen. Ich habe sie selbst gespürt, als ich mit meinem 32 Jahre alten Toyota auf den Platz fuhr. Die erste Reaktion: eine freundliche Frage, ob ich nicht wenden wolle. „Nein“, sagte ich. „Ich möchte hier parken.“

Ein Moment, der viel erzählt. Darüber, wie schnell wir Kategorien bilden. Und wie eng wir manchmal definieren, was dazugehört. Dabei ist es genau diese Offenheit, die Veranstaltungen wie den Car-Sonndig tragen sollte. Nicht Perfektion, nicht Marktwert, nicht Originalzustand. Sondern die Freude am Fahrzeug – egal, ob seltenes Coupé, umgebauter Rallye-Klassiker oder ein Alltagsauto, das einfach alt genug ist, um Geschichten zu erzählen.

Verwitterte alte Holztür mit sichtbaren Gebrauchsspuren und rustikalem Charme, Symbol für den Reiz der Zeit

Die Spuren der Zeit machen den Reiz aus Foto: Carole Theisen

Goggomobil von Stefan Grün in leuchtendem Blau zieht viele Zuschauer auf der Straße an
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Das Goggomobil von Stefan Grün zieht eine Menge Aufmerksamkeit auf sich

© Foto: Carole Theisen

Goggomobil Mikroauto in Nahaufnahme, klassisches Retro-Design mit einzigartigem Charakter und kompaktem Stil
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Das Goggomobil im Detail: ein Mikroauto mit Charakter

© Foto: Carole Theisen

Besitzer zeigen stolz den Motorraum ihres Autos mit gepflegtem Motor und technischen Details
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Stolz zeigen die Besitzer, was sich unter Haube versteckt

© Foto: Carole Theisen

1 Kommentare
Phil 06.04.202618:34 Uhr

Jojo, versuergt är schéin al Auto'en an Klassiker gutt, wëll déi heiteg "Batterien" op Rieder wärten et net bis zum Oldtimer packen.

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