Essay
Die Kneipe als Ort der proletarischen Identität
Als Standardsituation in Filmen ist die Kneipe mit seiner Bar und dem Tresen, seinen Besuchern, ein fester Bestandteil im räumlichen Darstellungsrepertoire von Alltagsbegebenheiten. Auch in Filmen dürften Kneipen wohl gemeinhin als „Nicht-Orte“ gelten, also als jener Raum, „der keine Identität besitzt und sich weder als relational noch als historisch bezeichnen läßt“1).
Detailverliebt: Entgegen Marc Augés Definition der Bar als „Nicht-Ort“ zeigt Andy Bausch, dass der Tresen eine Art zweites Zuhause darstellen kann Foto: Patricia Peribañez
Es sind Transiträume, man durchquert sie, bleibt nie dauerhaft. So schafft denn auch „[d]er Raum des Nicht-Ortes […] keine besondere Identität und keine besondere Relation, sondern Einsamkeit und Ähnlichkeit.“2) Ferner ist der Nicht-Ort „das Gegenteil der Utopie; er existiert, und er beherbergt keinerlei organische Gesellschaft.“3) Zudem sind Bars in Filmen wohl „kein Bild von der Fülle des Lebens. In eine Bar geht man nicht, um zu essen oder zu bleiben.“4)