L’histoire du temps présent
Die Industriestadt Esch im Wandel (Teil 1): Vom „Bourg“ zum Kantonalhauptort
Ab heute behandelt diese Artikelserie von Denis Scuto die historische Entwicklung der Industriestadt Esch/Alzette im Südwesten des Großherzogtums Luxemburg, der Minette-(Eisenerz)-Region, von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis heute1.
Blatt 225 der Kabinettskarte der Österreichischen Niederlande, 1771-1778 (Auszug) Quelle: Bibliothèque Royale de Belgique, Cartes et plans, Ms. IV 5.627 (225)
Der Ort war über ein Jahrhundert lang, von den sechziger Jahren des 19. Jh. bis zu den siebziger Jahren des 20. Jh., eine von Eisen und – ab 1912 – Stahl geprägte Industriestadt. Sie war und ist von der Einwohnerzahl her (1900: ca. 11.000, 1930: ca. 30.000; 2025: ca. 38.000) die zweitgrößte Stadt des Großherzogtums. Die Stahlkrise und der nachfolgende Deindustrialisierungsprozess seit den 1970er Jahren zeitigte dramatische Folgen für Esch/Alzette und die Minetteregion, auch wenn der Aufstieg der Finanzindustrie in Luxemburg und die Profilierung des Landes als europäischer Standort die Verluste an Arbeitsplätzen zum Teil kompensieren konnten. Gerade die Industriebrachen der früheren Terrasse der Hochöfen von Belval, der früheren Brasseurschmelz/Hütte Terre rouge, der früheren Metzeschmelz/Hütte ARBED Esch eröffnen seit Ende der 1990er Jahre der Stadt Esch neue städtebaulichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten.2 Der Rückblick auf die Geschichte der Minettemetropole ist wichtig, um die aktuellen Herausforderungen besser zu verstehen.