Flashback
Der Film „Betty Blue – 37°2 le matin“ von Jean-Jacques Beineix
Das Tageblatt präsentiert in einer losen Serie Meisterwerke der Filmgeschichte, die 2026 ein Jubiläum feiern – dieses Mal „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ von Jean-Jacques Beineix, dem Wegbereiter des „cinéma du look“ aus dem Jahr 1986 – die Geschichte einer obsessiven Liebe.
Geschichte einer Liebe - Tragödie einer Obsession: Jean-Hugues Anglade und Béatrice Dalle in „37°2 le matin“ Foto: IMDb
Seinen ersten Spielfilm realisierte Jean-Jacques Beineix mit 1980 noch mit weitgehend unbekannten Darstellern und einem Budget von 7,5 Millionen Francs. „Diva“ wurde mit vier Césars ausgezeichnet, unter anderem mit dem für den besten Film. Der Streifen entwickelte sich nach seinem Fehlstart in Paris und einem Umweg über New York zum ersten Kultfilm des postmodernen Zeitgeistes. Der Regisseur wurde damit zum Wegbereiter des „cinéma du look“, der von Anleihen bei Werbeästhetik und Clipdramaturgie geprägt war. Er richtete sich vorwiegend an ein junges Publikum und machte die mediale Kompetenz dieser mit Kino, Fernsehen und Video sozialisierten Generation zum Bestandteil der filmischen Dramaturgie. Mit „Diva“, einem ebenso surrealen wie ironischen Kinomärchen um einen Postboten (Frédéric Andrei) und eine Opernsängerin (Wilhelmenia Wiggins Fernandez), landete Beineix auf lange Zeit hin einen Programmkinohit. Ein Großstadtmärchen aus Paris, das mit dem Paris der Postkartenromantik nichts mehr gemein hat, stellen Ronald M. Hahn und Volker Jansen in ihrem Buch „Kultfilme“ (1985) fest.