Droge Literatur
Der Altpunk und Sprachanatom Guy Helminger erhält den Batty-Weber-Preis
Er ist in allen Gattungen der Literatur zu Hause – sowohl in der Lyrik als auch in der Epik oder Dramatik. Die Jury des Batty-Weber-Preises hat Guy Helminger für seine Vielseitigkeit und für die präzise Beobachtungsgabe der soziopolitischen Gegebenheiten gelobt. Das Tageblatt hat den Schriftsteller in Köln besucht, wo er seit vier Jahrzehnten lebt.
Guy Helminger in seinem Garten in Köln Foto: Stefan Kunzmann
Guy Helminger öffnet die Tür in seinem Haus im Kölner Süden und empfängt mich mit einem Kölner Akzent, den er sich im Lauf der Jahre zugelegt hat. Zur Begrüßung gibt es Milchkaffee aus einer Sex-Pistols-Tasse. „Die Sex Pistols habe ich kürzlich in Istanbul zum ersten Mal gesehen“, sagt er, „als Vorgruppe trat Rashid, eine türkische Punkband, auf.“ Helminger ist erst am Vorabend aus der Bosporus-Metropole zurückgekehrt. Dort verbrachte er einige Monate als „writer in residence“. Mit Punk ist er schon seit seiner Jugend in Esch verbunden, wo er 1963 geboren und aufgewachsen ist – und das örtliche Jungenlyzeum besuchte. „Mein erstes Konzert war 1978 von Patti Smith“, erinnert er sich.
Nach dem Abitur begann Helminger in Luxemburg mit seinem Studium in Germanistik und Philosophie, das er in Heidelberg und schließlich in Köln fortsetzte. „Hier kam ich schnell mit der Punkszene in Berührung und war Stammgast in der Kneipe ‚Station‘, wo ich auch anfing zu kellnern. „Dass ich nach Köln kam, war eher Zufall. Ich wollte einfach in eine größere Stadt und hatte hier Freunde in einer WG besucht. Zufällig wurde ein Zimmer frei, in das ich dann einzog. Mir gefiel gleich die Mentalität der Kölner, sodass ich schnell Anschluss fand. Die wilde Kneipenkultur damals wurde immer exzessiver, was mir entgegenkam. ‚No Future‘ hieß für mich, dass ich nur noch in den Tag hinein leben wollte. Zuvor hatte ich noch oft politische Schriften gelesen, und in meinem Zimmer hing ein Porträt von Bakunin. Doch bald ging es mir nur noch darum, den Tag zu genießen.“ Mit Luxemburg blieb er über seine Familie verbunden. Und über die Literatur in Form von Lesungen und Theaterarbeiten.