Theater
Das Stück „Faut-il séparer l’homme de l’artiste?“ stellt eine zentrale Frage der #MeToo-Thematik
#MeToo lebt. Die auf einen Hashtag zurückgehende Bewegung, die im Oktober 2017 im Laufe des Skandals um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein eine breite Debatte in vielen Ländern anstieß, hat zahlreiche Dimensionen. Eine davon ist zu hinterfragen, ob die Werke eines Künstlers noch unabhängig von diesem betrachtet werden können, wenn er Gewalttaten oder sexuelle Übergriffe begangen hat.
„Faut-il séparer l’homme de l’artiste?“ von und mit Étienne Gaudillère Foto: Compagnie Y
Kann man ein Werk überhaupt vom Künstler trennen? Die Frage ist ein Dauerbrenner in der Kunst- und Kulturgeschichte. Mit #MeToo hat sie eine neue Dimension hinzugewonnen. Früher tauchte sie in ähnlich gelagerter Form auf: etwa in der Diskussion über Louis-Ferdinand Céline, der ein fanatischer Judenhasser war. Sein Antisemitismus schmälerte den Wert seines ersten Romans „Voyage au bout de la nuit“ (1932) nicht. Auch schien es eine breite Öffentlichkeit lange nicht zu stören, dass gegen den Filmregisseur Roman Polanski die Beschuldigung vorlag, 1977 in Los Angeles eine 13-Jährige unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben.