Luxemburg-Stadt
„Carloh“ wird ab Januar eingestellt – Das Carsharing-Angebot in der Hauptstadt wächst dennoch
Es hatte sich in einer Sitzung des hauptstädtischen Gemeinderats im Juli bereits abgezeichnet, inzwischen wurde eine Entscheidung getroffen: „Carloh“, der Carsharing-Dienst der Stadt Luxemburg, wird Anfang kommenden Jahres den Betrieb einstellen. Stattdessen wird „Flex“ dafür sorgen, dass auch in der Hauptstadt weiter Wagen angemietet werden können.
Ab 2026 wird es zwar „Carloh“ nicht mehr geben, trotzdem wird man auch in der Hauptstadt weiter Autos anmieten können Foto: Editpress/Didier Sylvestre
„Es kommt zusammen, was zusammen gehört“, begann Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) am Freitagvormittag eine Pressekonferenz zu den Veränderungen beim Carsharing in der Hauptstadt. Damit deutete sie bereits an, was folgen sollte: Die Gesellschaft „Carloh“ – von der die Stadt mit 99 Prozent Teilhabe der Hauptaktionär ist – wird bald aufgelöst. Carsharing wird es allerdings weiter geben, denn „CFL Mobility“, also die Gesellschaft hinter „Flex“, wird als Partner das Angebot in der Hauptstadt ausbauen.
Derzeit gibt es dort 25 „Carloh“-Stationen mit 46 Fahrzeugen. Künftig werden auf den meisten davon Autos von „Flex“ stehen. Einige Standorte sollen laut Mobilitätsschöffe Patrick Goldschmidt (DP) jedoch wegfallen – etwa dort, wo Stationen der beiden Anbieter nah beieinander liegen oder kaum genutzt werden. „Ab dem 1. Januar stehen den Nutzern an 27 Stationen 72 Fahrzeuge zur Verfügung“, kündigte Goldschmidt an. „Flex“ wird laut dem Geschäftsführer von „CFL Mobility“, Pit Reiter, landesweit dann 100 Stationen mit 200 Fahrzeugen betreiben. Der Dienst zählt derzeit 24.000 Abos, davon 5.000 in der Hauptstadt.
Keine Fusion oder Übernahme
Der Übergang soll fließend verlaufen: Ab dem 1. Dezember werden an einigen Stationen sowohl Autos von „Carloh“ als auch von „Flex“ stehen. Im neuen Jahr werden es nur noch Wagen der Eisenbahngesellschaft sein. Für deren Nutzung ist ein Abo bei „Flex“ erforderlich. „Wir schicken unsere Kundschaft nicht zu einem Anbieter, der doppelt so teuer ist. Vielleicht wird es manche zwei Euro mehr kosten, bei anderen werden es zehn Euro mehr oder aber auch weniger sein. Das hängt immer vom Abo und anderen Parametern ab“, erklärte Patrick Goldschmidt.
V.l.: Finanzschöffe Laurent Mosar (CSV), Mobilitätsschöffe Patrick Goldschmidt (DP) sowie der Geschäftsführer von „CFL Mobility“, Pit Reiter, und die Direktorin der „Activités voyageurs“ bei der CFL, Sophie Lacour, informierten am Freitag über Neuerungen beim Carsharing Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Die rund 1.000 Abonnentinnen und Abonnenten von „Carloh“ sollen demnächst schriftlich über die Umstellung informiert werden. Von einer „Übernahme“ oder gar „Fusion“ der beiden Dienste wollten die Partner am Freitag nicht sprechen, denn die Stadt wird sich vollständig zurückziehen. „Wir sind nicht in der Gesellschaft mit drin, wir sind nicht Mitglied des Verwaltungsrats und sind auch kein Teilhaber“, so der Mobilitätsschöffe. Die vier bisher bei „Carloh“ beschäftigten Personen haben ihm zufolge alle eine neue Stelle bei der Stadt gefunden.
Weniger Ausgaben für Carsharing
Das Vermietungsangebot kostete die Stadt laut Finanzschöffe Laurent Mosar (CSV) rund 450.000 Euro jährlich. Bei der Pressekonferenz am Freitag äußerten sich die Stadtverantwortlichen kaum zu den Ursachen des Defizits. In der Vergangenheit hatten sie immer wieder die Pandemie, gestiegene Kraftstoffpreise und höhere Löhne als Gründe genannt. Zudem wurde erklärt, dass „Carloh“ angesichts der Landesgröße und der Konkurrenz durch „Flex“ nie rentabel sein könnte. Die Opposition am „Knuedler“ warf der Stadt vor, das Potenzial nicht voll auszuschöpfen – etwa wegen mangelnder Kommunikation.
Nach Tageblatt-Informationen war ursprünglich auch geplant, dass die Angestellten der Gemeinde für Dienstfahrten auf die Autos des 2014 gegründeten Dienstes zurückgreifen sollten. Zur gemeindeinternen Nutzung der Fahrzeuge befragt, antwortete Patrick Goldschmidt am Freitag: „Das hat nicht so funktioniert wie erwartet. Wenn die Mitarbeiter bei ihren Arbeitsterminen auch Material transportieren mussten, war das in der Praxis kompliziert und zeitaufwendig. Oder es gab dann keine Station in direkter Nähe.“ Entsprechend wurde das Angebot kaum genutzt.
Die Stadt will nun einen Schlussstrich ziehen. Künftig sollen sich die jährlichen Ausgaben der Stadt für das Carsharing laut Laurent Mosar auf rund 140.000 Euro statt bisher 450.000 Euro belaufen. Die Stadtverantwortlichen betonten am Freitag jedoch, dass der finanzielle Aspekt nicht ausschlaggebend für die Entscheidung war. Patrick Goldschmidt sagte: „Das ist für alle in der Hauptstadt die beste Lösung. Und ich freue mich über alle, die Carsharing nutzen – ob nun ‚Carloh‘ oder ‚Flex‘.“
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