Tourismus in Grevenmacher
Alain Goedert über Camping, Professionalisierung und den Blick nach Nittel
Alain Goedert ist Präsident des Syndicat d’Initiative Grevenmacher, das den Campingplatz betreibt, Ferienwohnungen vermietet und sich um die Wanderwege kümmert. Ein Gespräch über den Tourismus in der Moselmetropole, den eingeschlagenen Weg der Professionalisierung und warum er neidisch wird, wenn er nach Nittel blickt.
Alain Goedert ist Präsident des Syndicat d’Initiative in Grevenmacher Foto: Editpress/Julien Garroy
Tageblatt: Herr Goedert, was ist Ihre Motivation, sich im Syndicat d’Initiative zu engagieren?
Alain Goedert: Ich habe das irgendwie im Blut. Ich bin in Consdorf aufgewachsen, wo wir einen kleinen Laden hatten. Im Sommer war es immer „la folie“ mit den Touristen – eine ganz spezielle Atmosphäre. Als ich vor 20 Jahren nach Grevenmacher gezogen bin, war für mich klar, dass ich dem Syndicat d’Initiative beitreten werde. Damals war der Campingplatz nicht im besten Zustand, und viel Potenzial lag brach. Irgendwie hat es funktioniert, das Geld kam rein, und deshalb hat sich niemand so richtig darum gekümmert. Wir haben den Geschäftsführer ausgetauscht, den Platz modernisiert und nach und nach wurde es besser.
Der Campingplatz ist die Hauptaktivität des Syndicats. Worum kümmern Sie sich noch?
Neben dem Camping vermieten wir Ferienwohnungen und kümmern uns um die Wanderwege. Die Wohnungen haben sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt, die Auslastung liegt mittlerweile bei 68 Prozent. Es wurde viel investiert – sowohl Zeit als auch Geld. Früher dienten sie vor allem dazu, Einwohner nach Bränden oder Überschwemmungen unterzubringen. Der heutige Erfolg bringt allerdings auch mehr Aufwand mit sich.
Können Sie das erläutern?
Wir haben eigenes Reinigungspersonal angestellt. Durch die gestiegene Zahl an Übernachtungen – oft übers Wochenende – müssen unsere Mitarbeitenden auch samstags und sonntags arbeiten. Gleichzeitig wächst der administrative Aufwand. Die Sekretärin der „Entente touristique“ arbeitet zwar 15 Stunden pro Woche für uns, eigentlich bräuchten wir aber eine Vollzeitstelle. Ich habe als Rentner genug Zeit und zähle meine Stunden nicht. Doch wie in vielen Vereinen wird es immer schwieriger, Freiwillige zu finden.
Das heißt, es führt kein Weg an einer Professionalisierung vorbei?
Ich denke nicht. Wir arbeiten bereits mit der Firma Simpleviu zusammen, die auch die Gîtes des Minett Trails betreibt. Über sie vermieten wir die Ferienwohnungen. Sie stellen uns eine Applikation zur Verfügung, über die Touristen reservieren und bezahlen können. Früher kam es häufig vor, dass reserviert wurde und die Gäste nicht erschienen. Seit März unterstützt uns Simpleviu auch beim Betrieb des Campings. Das ist ein Weg, den ein Syndicat gehen muss, um ein gewisses Angebot aufrechterhalten zu können. Für den Tourismus in der Gemeinde ist das ebenfalls wichtig.
Früher hatte Grevenmacher vier Hotels, heute gibt es im Zentrum keines mehr
Alain Goedert
Präsident des Syndicat d‘Initiative
Wie meinen Sie das?
Früher hatte Grevenmacher vier Hotels, heute gibt es im Zentrum keines mehr. Nur noch das Simon Plaza auf dem Potaschberg nahe der Autobahn. Ein Standort, den ich gut nachvollziehen kann, aber im Zentrum fehlt es an Übernachtungsmöglichkeiten. Léon Gloden hat vor Jahren intensiv versucht, wieder ein Hotel im Zentrum anzusiedeln, doch leider ohne Erfolg. Zudem sind wir zwischen Weinbergen und Mosel räumlich eingeschränkt. Auch der Camping war früher größer. Auf einem Teil des Geländes wird nun eine Residenz gebaut – verständlich angesichts der Lage. Zwar gibt es viele Wohnresidenzen in Grevenmacher, aber nur wenige im gehobenen Segment. Für eine gute soziale Durchmischung ist das jedoch wichtig. Die Nachfrage ist jedenfalls groß. Ich kenne einige, die ihr Haus in Grevenmacher aufgegeben haben und nun eine Wohnung suchen, aber kaum fündig werden – obwohl sie gerne hierbleiben würden.
Wenn man den Tourismus in Grevenmacher fördern will, muss man da nicht auch regional denken?
Doch, unbedingt. Wir haben sehr gute Beziehungen zum Syndicat d’Initiative in Nittel, und es gibt Überlegungen, künftig einen Wanderweg dorthin zu erschließen. Wenn man sieht, wie sich Nittel entwickelt hat und was dort alles angeboten wird, kann man fast neidisch werden. Dort vermieten viele Winzer Zimmer und entsprechend viel ist abends los.
Wirtschafts- und Tourismusminister Lex Delles hat vor einigen Monaten eine Strategie für den Önotourismus vorgestellt. Wie sehen Sie diese Initiative?
Darin wurden einige gute und vielversprechende Ideen festgehalten. Meiner Meinung nach ist der Önotourismus eine große Chance für die Moselregion. Entscheidend ist aber, was die Winzer daraus machen. In Nittel ist der Tourismus bereits ein festes Standbein für die Winzer geworden und die junge Generation will das weiter ausbauen. Es ist eine etwas andere Mentalität als die, die derzeit bei uns vorherrscht.