Jazz
100 Jahre John Coltrane – der Heilige der Klangwelten
Der US-amerikanische Saxofonist war ein Säufer und Junkie. Dann wurde John Coltrane zu einem der größten Jazzmusiker aller Zeiten, der mit seinen Improvisationen und epischen Soli immer wieder neue Dimensionen betrat.
John Coltrane auf dem Plattencover von „Blue Train“ (1957) Foto: Francis Wolff/Blue Note Records
John Coltrane war am Ende. Er stand am Abgrund. Er hatte einen Tiefpunkt in seinem Leben erreicht. So konnte es nicht weitergehen. Heroin und Alkohol hatten ihn zugrunde gerichtet, Miles Davis warf ihn aus seinem legendären Quintett, das hauptsächlich in den New Yorker Jazzclubs auftrat und dem Coltrane seit 1955 angehörte. Dann wurde aus dem Tiefpunkt ein Wendepunkt. So beschreibt es der Schweizer Journalist und Musikhistoriker Stefan Künzli.
Es war 1957, als Coltrane sich zurückzog. Er war gerade mal 30 Jahre alt und schaffte einen „cold turkey“, einen kalten Entzug, indem er sich zu Hause bei seiner Mutter in Philadelphia einsperren ließ. Es war für ihn wie eine spirituelle Erweckung und führte ihn zu einer schier unglaublichen Schaffensphase, um nicht rückfällig zu werden – und ließ ihn zu einem der größten Jazzmusiker überhaupt werden.