Bosnien-Herzegowina
Zugewinne der nationalistischen Kräfte schwächen die EU-Aussichten des Vielvölkerstaats
Mit Dank an Putin und Trump: Das Erstarken der nationalistischen Kräfte bei Bosniens Parlaments-, Präsidentschafts- und Regionalwahlen schwächt den Zusammenhalt und die EU-Aussichten des zerrissenen Vielvölkerstaats.
Der bosnische Serbenführer Milorad Dodik dominierte den Wahlkampf, obwohl er gar nicht bei der Wahl antrat Foto: AFP
Der große Triumphator von Bosniens ungewohnt kurzer Wahlnacht wusste, wem er seine wundersame Wiederauferstehung zu verdanken hatte: Er danke US-Präsident Donald Trump und Kreml-Chef Wladimir Putin, kommentierte Bosniens Serbenführer Milorad Dodik den erneuten Sieg seiner prorussischen SNSD bei den Parlaments-, Präsidentschafts-, Teilstaats- und Kantonswahlen: „Ohne Trump wären wir heute wahrscheinlich politisch tot. Aber nun sind wir die politischen Sieger.“
Tatsächlich war es die von der Trump-Administration vor Jahresfrist verfügte Aufhebung der langjährigen US-Sanktionen gegen Bosniens mächtigsten Strippenzieher, die den vom Verfassungsgericht zu einem sechsjährigen Amtsverbot verdonnerten Dodik auf dem heimischen Politparkett zurück ins Spiel brachte. Putin wiederum mimte für Dodik erneut den Wahlhelfer – und ließ den kurz vor der Wahl nach Moskau gereisten SNSD-Chef demonstrativ seine Kreml-Aufwartung machen: Es war die 11. Audienz, die Putin seinem engsten Balkanpartner seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs gewährt hat.