Vatikan

Wer folgt Franziskus? Hinter den Kulissen wird bereits heftig spekuliert

Bereits vor dem Begräbnis wurden hinter den Kulissen Bündnisse um die Nachfolge des argentinischen Papstes geschmiedet, versuchen Buchmacher und Spekulanten herauszufinden, wer künftig den Stuhl Petri einnehmen könnte. Die Hauptfrage, die sich die meisten dabei stellen, ist: Wird der sanft begonnene Reformationskurs Franziskus’ fortgesetzt oder fällt die katholische Kirche in konservative und traditionelle Strukturen zurück, wird sich die Macht der Kurie durchsetzen?

Wer folgt Franziskus? Hinter den Kulissen wird bereits heftig spekuliert

Noch hat die Generalkongregation zur Vorbereitung der Papstwahl kein Datum des Konklaves festgelegt, zeitlich dürfte die Papstwahl auf die Woche zwischen dem 5. und 10. Mai fallen. Und wenngleich üblichen Bekenntnissen zufolge die Orientierung auf ein neues Kirchenoberhaupt in Stille vonstattengehen sollte, finden sich schon allerorten Gruppen der Wahlberechtigten in Cafés, Restaurants, Bibliotheken und Quartieren zusammen, um in kleinen Kreisen die Nachfolge auf dem Stuhl Petri zu diskutieren und auszuhandeln.

Dies wird nicht nur in den Kreisen der hohen Würdenträger diskutiert, auch hiesige und internationale Medien fragen sich, wer Franziskus folgen könnte. Die römische Tageszeitung La Repubblica hat sogar Künstliche Intelligenz befragt, erhielt jedoch von zwei Portalen die abschlägige Antwort, es bräuchte keinen neuen Papst, da Franziskus noch lebe. Weniger abwegig sind die Gedanken, dass nach 47 Jahren der Herrschaft nicht-italienischer Päpste wieder ein Italiener den Vatikan anführen sollte. Als Spitzenkandidat wird dabei Pietro Kardinal Parolin genannt. Als Kardinalstaatssekretär war er die rechte Hand Franziskus’, verfügt über gute diplomatische Verbindungen einerseits wie auch einen guten Draht zur Kurie, dem eigentlichen Machtzentrum des Vatikans. Außenpolitisch unterstützte er den Kurs Franziskus’, sich für Frieden in der Ukraine wie auch im Gazakonflikt einzusetzen. Im Übrigen gilt er als ein eher konservativer Geistlicher, der sowohl die gleichgeschlechtliche Ehe als auch Schwangerschaftsabbrüche ablehnt.

Als weitere italienische Kandidaten sind der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Bologna, Matteo Kardinal Zuppi, sowie der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, im Gespräch. Pizzaballa, der sich seit Jahrzehnten in Jerusalem aufhält, werden gute Beziehungen sowohl zur jüdischen als auch zur arabisch-islamischen Welt nachgesagt. Er könnte für eine stärkere ökumenische Ausrichtung des Vatikans stehen.

Papst aus Afrika oder Asien

Doch womöglich kommt der nächste Pontifex gar nicht aus Europa, sondern aus Afrika oder aus Asien. Zu den Top-Kandidaten zählt dabei Peter Kodwo Appiah Turkson. Der 76-jährige Ghanaer war bereits beim letzten Konklave in der engeren Auswahl. Turkson nahm nach seinen Studien die Priesterkarriere in Westafrika auf. 1992 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Cape Coast in der Zentralregion Ghanas. Elf Jahre später berief ihn derselbe Papst in das Kardinalskollegium nach Rom und ernannte ihn am 21. Oktober 2003 zum Kardinalspriester. Nachfolger Benedikt XVI. ernannte Peter Turkson 2009 zum Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Laut Apostolischer Konstitution soll der Rat „im Licht der Gerechtigkeit und den sozialen Lehren der Kirche Gerechtigkeit und Frieden in der Welt fördern“. Für sein Engagement in der Dritten Welt wurde Turkson mit vielen nationalen und internationalen Ehrungen bedacht. Der ghanaische Erzbischof steht für eine Erneuerung der katholischen Kirche.

Nebst Peter Turkson könnte auch Fridolin Ambongo Besungu in die engere Wahl geraten. Der 65-jährige Erzbischof von Kinshasa wäre der jüngste Kandidat für den Posten, zählt jedoch nicht zu den großen Reformatoren unter den Kardinälen. In Ehe- und Familienfragen steht er deutlich für einen konservativen Kurs, in zwischenreligiösen Problemen beharrt er jedoch auf einen deutlichen Weg der katholischen Kirche als Primat mit der Toleranz, dass „Protestanten Protestanten und Islamisten Islamisten bleiben könnten“.

Aus Asien wird der Name des Erzbischofs von Manila genannt. Luis Antonio Tagle wird insgeheim der „Franziskus Asiens“ genannt. Im Falle seiner Wahl wäre er der erste Papst aus Asien. Bis 2022 stand er nicht nur der Caritas Internationale vor, sondern war auch Kardinalpräfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, nachfolgend Propräfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung. Kardinal Tagle setzt sich vor allem für die Rechte der armen Bevölkerung sowie für Migranten ein und vertritt dabei kongenial die Positionen Franziskus’.

Keine konkreten Voraussagen möglich

Voraussagen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu treffen, scheint unmöglich. Auch bei der Wahl von Franziskus 2013 gehörte er nicht zu den präferierten Kandidaten. Dennoch dauerte seine Wahl nur zwei Tage, bis weißer Rauch verkündete: „Habemus Papam.“

Zu den weiterhin gehandelten Kandidaten gehören Peter Erdö aus Budapest, der Kanadier Marc Ouellet, der US-Amerikaner Robert Prevost. Andere Stimmen handeln mit Jean-Marc Aveline, dem Erzbischof von Marseille und Franziskus-Vertrauten.

Auch Jean-Claude Hollerich, Kardinal, Erzbischof von Luxemburg und Leiter der EU-Bischofskonferenz, wird als einer der „papabilis“ genannt. Hollerich gilt als Vermittler zwischen allen Lagern und könnte in dieser Rolle gut den vakanten Sitz ausfüllen.

Vielleicht tritt jedoch aus dem Konklave ein völlig überraschender Sieger hervor, der in keiner der bisherigen Prognosen auftauchte. Spätestens Mitte Mai wird die katholische und die übrige Welt das Ergebnis sowie den neuen Hausherrn im Vatikan kennen. Eines ist jedoch nach wie vor sicher: Es wird keine Frau sein.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Am Oster-Wochenende

Russland überzieht Ukraine mit neuen heftigen Angriffen

Iran-Krieg

Trump und Teheran drohen sich