Ferienzeit

Was Urlauber über Spaniens Strände wissen sollten

Während Spaniens Tourismusgemeinden weltweit für ihre gepflegten Strände mit der blauen Flagge werben, wächst zugleich an vielen spanischen Orten die Kritik an der Verschandelung der Küstenlandschaft – wie aktuell auf der Kanareninsel Teneriffa.

Badevergnügen am Malagueta-Strand in Malaga: Einige Strände in Spanien bieten Anlass zu Kritik

Badevergnügen am Malagueta-Strand in Malaga: Einige Strände in Spanien bieten Anlass zu Kritik Foto: Jorge Guerrero/AFP

Auf der Kanareninsel Teneriffa wurde gerade das umstrittene Tourismus-Siedlungsprojekt Cuna del Alma, das in einer bisher weitgehend unberührten Bucht entstehen soll, mit einer „schwarzen Flagge” gebrandmarkt – dem Gegenteil des begehrten blauen Gütezeichens. Der spanische Umweltverband Ecologistas en Acción vergibt das schwarze Symbol jedes Jahr an besonders kritische Fälle der Umweltzerstörung. Und einen solchen dramatischen Fall sehen die Aktivisten in der Bucht Puertito de Adeje im Südwesten der Ferieninsel Teneriffa. Was bisher ein stilles Küstenparadies war, mit alten Fischerhäuschen und Meeresschildkröten, soll nun einem riesigen Luxuskomplex mit Villen und Ferienwohnungen weichen – auf einer Fläche von 44 Fußballfeldern.

Trotz früherer Bauverbote kam das Projekt durch eine rechtliche Hintertür wieder in Gang – mit Rückendeckung aus dem Rathaus und der kanarischen Regionalregierung. Die Umweltschützer protestierten, sammelten Unterschriften, ketteten sich an Baggern fest, reichten Beschwerde bei der Europäischen Kommission ein und zogen sogar vor Gericht. Das Projekt sei ein „Attentat auf die Natur“, sagen sie. Doch auf der Baustelle wird erst mal weitergearbeitet.

Cuna del Alma ist kein Einzelfall. Insgesamt beschreibt der aktuelle Bericht von Ecologistas en Acción 48 gravierende Umweltvergehen an Spaniens Küsten. Doch dies sei nur die Spitze des Eisbergs. In Wahrheit, sagen die Umweltaktivisten, gebe es Hunderte solcher Fälle. Zuweilen machen die Behörden gemeinsame Sache mit den Bauherren und schauen weg, lautet der Vorwurf – selbst bei klar gesetzeswidrigen Eingriffen. „Viele Behörden setzen das Küstengesetz nicht durch“, kritisiert der Verband.

Ein paar weitere Beispiele: Ein Hotel auf der Kanareninsel Fuerteventura, das sich mit seiner Erweiterung in geschützte Dünen geschoben hat. Oder jene rechtlich umstrittene Villa an Galiciens Atlantikküste, in der Spaniens konservativer Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo mit seiner Lebensgefährtin residiert – auf einem Grundstück, das zum Teil einen öffentlichen Küstenstreifen besetzt.

Abwassereinleitungen an Stränden

Und dann gibt es noch den wohl berühmtesten Bauskandal Spaniens, der auch schon Thema in Brüssel war: das 400-Zimmer-Hotel „El Algarrobico“ bei Almería. Mitten in einem Naturpark direkt an der Meereslinie gebaut – illegal. Seit 20 Jahren wird über den Abriss gestritten. Zwar hat der Oberste Gerichtshof jüngst erneut den Rückbau bestätigt, aber Lokal- und Regionalpolitiker blockieren weiterhin den Abbruch, weil sie das Hotel nachträglich legalisieren wollen.

Auch Abwassereinleitungen an Stränden sorgen regelmäßig für Ärger. Besonders schlimm: die „Kloaken-Affäre“ von Playa Jardín in Puerto de la Cruz auf Teneriffa. Wegen maroder Leitungen und überlasteter Kläranlage musste der beliebte Strand im Sommer 2024 geschlossen werden. Über 300 Tage galt ein Badeverbot. Erst seit Kurzem darf man dort wieder ins Wasser gehen. Ähnliche Ekelprobleme mit Fäkaleinleitungen gibt es zum Beispiel auf Ibiza, etwa in der stark besuchten Bucht von Sant Antoni de Portmany.

Trotz alledem bleibt Spanien auch 2025 Europameister der blauen Flaggen, die Qualitätsstrände auszeichnen: 642 Badebuchten dürfen dieses Jahr das begehrte Umweltzeichen hissen – nirgendwo in Europa wehen mehr blaue Fahnen. Die Ferienregionen Valencia, Andalusien, Galicien und Katalonien sind Spitzenreiter bei den prämierten Stränden. Die blaue Flagge steht für gute Wasserqualität, Sauberkeit, Sicherheit und Barrierefreiheit.

Begehrte blaue Flagge

„Der häufigste Grund dafür, dass eine blaue Flagge nicht verliehen wird, ist, dass die Badegewässer der jeweiligen Strände nicht die erforderliche Wasserqualität erreichen“, heißt es von der Umweltorganisation Adeac, die in Spanien die Qualitätsregeln überwacht und diese Flaggen vergibt. „Der zweithäufigste Grund ist ein Verstoß gegen das Küstengesetz, etwa durch übermäßige Bebauung oder nicht genehmigte Einrichtungen am Strand.“

Was viele aber nicht wissen: Die Liste der blauen Banner ist keine vollständige Sammlung empfehlenswerter oder paradiesischer Strände. Die blaue Flagge wird nur auf Antrag der Gemeinden vergeben. Als Kandidaten kommen zudem nur Buchten in Frage, die Toiletten oder behindertengerechte Strandzugänge haben. Naturstrände ohne Service-Einrichtungen oder Badestellen, die nur nach einem längeren Fußmarsch erreichbar sind, bleiben daher außen vor.

So auch Mallorcas berühmter Es-Trenc-Strand – eine Traumbucht mit Naturdünen und türkisfarbenem Wasser. Weil es dort kaum Infrastruktur gibt, steht dieser nicht auf der Liste der 21 ausgezeichneten Strände Mallorcas. Nötig hat er das auch nicht: Der in einem Naturschutzgebiet gelegene Strand ist so beliebt, dass nur Frühaufsteher eine Chance auf einen Parkplatz und ein ruhiges Plätzchen am Wasser haben.

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