Spanien

War die Sonne schuld?: Eine Woche nach dem Blackout

Eine Woche ist vergangen, seit ganz Spanien – und gleich dazu Portugal und Südfrankreich – plötzlich im Dunkeln stand. Sieben Tage später gibt es noch immer mehr offene Fragen als klare Antworten. Und der Streit darüber, wer oder was die Verantwortung trägt, ist voll entbrannt.

Windräder im spanischen Burgos: An den Anlagen lag es nicht

Windräder im spanischen Burgos: An den Anlagen lag es nicht Foto: AFP/Cesar Manso

Am vergangenen Montagmittag (28. April 2025) fiel auf der gesamten Iberischen Halbinsel stundenlang der Strom aus. Innerhalb von fünf Sekunden brachen 60 Prozent der Stromproduktion zusammen. Rund 60 Millionen Menschen waren betroffen, ganze Städte standen still. Was genau war passiert? Laut dem halbstaatlichen Netzbetreiber Red Eléctrica de España (REE) kam es zu „anomalen Schwankungen im Stromfluss“ in Verbindung mit einem „ungewöhnlich hohen Verlust an Erzeugung“. Die Folge: Das spanisch-portugiesische Stromnetz trennte sich automatisch vom europäischen Verbundsystem. Besonders heftig waren die „anomalen Schwankungen“ offenbar im Südwesten Spaniens, insbesondere in der Region Extremadura – dort, wo viele Solaranlagen installiert sind.

Obwohl das auf die Solarenergie als mögliche Ursache hindeuten könnte, weist die Branche diesen Verdacht zurück. Der spanische Fotovoltaikverband UNEF betont: „Die Solaranlagen funktionierten wie geplant. Es war das Stromnetz selbst, das sie automatisch abschaltete – als Teil der Sicherheitsmechanismen.“ Weiter heißt es: „Solare Technologie ist ausgereift und zuverlässig. Wenn das Stromnetz versagt, liegt das nicht an der Technologie, sondern an deren Management.“

Auch die Regierung stellt sich hinter die erneuerbaren Energien. Energie- und Umweltministerin Sara Aagesen sagt: „Es ist unverantwortlich und vereinfachend, die erneuerbaren Energien für den Stromausfall verantwortlich zu machen.“ Es gebe keinen Grund, an der Energiewende zu zweifeln, die für die Zukunft des Landes unverzichtbar sei. „Spanien wird grün sein – oder es wird nicht sein.“

Trotz dieser politischen Rückendeckung warnen Fachleute, dass das derzeitige System nicht darauf ausgelegt sei, ein Stromnetz zu steuern, das stark von wetterabhängigen und damit unbeständigen Quellen wie Sonne und Wind dominiert werde. Erneuerbare Energien machen in Spanien mittlerweile über 50 Prozent des Strommixes aus.

Der Energieexperte Jorge Morales de Labra erklärt: „Das Stromnetz war ein Opfer seines eigenen Erfolgs. Es konnte den Überschuss an erneuerbarer Energie nicht aufnehmen, was zu einem Spannungseinbruch führte – einem plötzlichen Spannungsabfall, der großflächige Stromausfälle verursachen kann.“ Tatsächlich wurde am Tag des Blackouts besonders viel Solar- und Windstrom eingespeist, während konventionelle Quellen wie Wasserkraft, Gas- oder Kernkraftwerke kaum zur Netzstabilität beitrugen. War es also eine Frage mangelhafter Planung oder eine technische Überforderung des Netzbetreibers REE?

REE-Präsidentin Beatriz Corredor sieht jedoch keine Schuld bei ihrem Unternehmen: „Bei Red Eléctrica ist nichts schiefgelaufen“, sagt sie. „Spanien verfügt über das beste und robusteste Stromnetz.“

Sabotage oder Cyberangriff?

Auch die Möglichkeit eines Sabotageakts steht noch im Raum. Zwar schließt REE einen Cyberangriff offiziell aus, dennoch hat Spaniens oberster Strafgerichtshof ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, um genau dieser Frage nachzugehen. Experten halten die Hypothese für unwahrscheinlich – ausgeschlossen ist sie aber nicht.

Kaum war der Strom nach dem größten Blackout in Spaniens Geschichte zurück, ging zugleich der politische Schlagabtausch los. Ministerpräsident Pedro Sánchez (PSOE) rief den Nationalen Sicherheitsrat zusammen, setzte eine Untersuchungskommission ein und machte Druck auf die Energiebranche: „So etwas darf nie wieder passieren.“

Die konservative Volkspartei (PP) nutzt die Panne für scharfe Kritik. Parteichef Alberto Núñez Feijóo spricht von einem „Skandal ohnegleichen“ und wirft der Regierung Inkompetenz vor. Zudem fordert er – wie seit Langem – eine Verlängerung der Laufzeiten spanischer Atomkraftwerke.

Was muss sich ändern?

In Fachkreisen ist von einem klaren Stichwort die Rede: Modernisierung. Gemeint ist damit das von REE betriebene nationale Stromnetz. Die iberische Halbinsel gilt als „elektrische Insel“, denn sie ist kaum mit dem restlichen europäischen Stromnetz verbunden – vor allem nicht ausreichend mit Frankreich. In Krisensituationen ist Spanien daher auf sich allein gestellt.

Hinzu kommt der Vorwurf mangelnder Investitionen. Zwar ist der Anteil erneuerbarer Energien in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Doch Planung, Netzausbau und notwendige Stabilitätsmechanismen hinken offenbar hinterher. All das macht das System anfällig für unerwartete Störungen.

Unterm Strich lässt sich sagen: Es ist kaum haltbar, Sonne und Wind – die in Spanien an Spitzentagen fast 100 Prozent der Stromversorgung abdecken – zum Sündenbock zu machen. Doch vieles deutet darauf hin, dass das Netz noch nicht reif ist für ein Land, das besonders stark vom Klimawandel betroffen ist und sich daher möglichst schnell von fossilen und nuklearen Energieträgern verabschieden will.

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