Ukraine

Viele Menschen in Russland wollen auch 100 Tage nach der Invasion nichts davon wahrhaben

Gleichgültigkeit, Verzweiflung, Schweigen: Mit seiner „Spezialoperation“ in der Ukraine zerstört sich Russland auch selbst. Um die Unerträglichkeit zu ertragen, schützen sich viele Menschen im Land – indem sie auch 100 Tage nach der Invasion nichts davon wahrhaben wollen.

Weit von dem entfernt, was hier nicht Krieg genannt werden darf, flanieren Menschen in Moskau über den Manege-Platz unweit des Kreml

Weit von dem entfernt, was hier nicht Krieg genannt werden darf, flanieren Menschen in Moskau über den Manege-Platz unweit des Kreml Foto: Natalia Kolesnikova/AFP

„Krieg? Welcher Krieg denn?“ Es war der 24. Februar, als Sergej, der ein Bürohaus im Westen Moskaus bewacht, müde und irritiert von seinem Smartphone aufschaute. In den Morgenstunden an jenem nassen Februartag hatte der russische Präsident Wladimir Putin seinen Marschbefehl zum Überfall der Ukraine gegeben. „Ach das, in der Ukraine. Dort gibt es doch eine militärische Spezialoperation“, sagte der Wachmann in olivgrüner Uniform mit den Worten seines Präsidenten und starrte wieder auf sein Smartphone. Der Ukraine-Boulevard ist nicht weit weg von seinem Arbeitsplatz, der Kiewer Bahnhof ist in Fußdistanz, das Hotel „Ukraina“ strebt hier um die Ecke als eine der sieben Stalin'schen „Schwestern“ im Zuckerbäckerstil in die Höhe. Sergej läuft jeden Tag daran vorbei. Die Ukraine ist in dieser Ecke Moskaus allein sprachlich immer präsent. Der Wachmann denkt nicht allzu viel über das Land nach, das er seit Sowjetzeiten nie mehr besucht hat.

Jetzt kostenlos testen: Ihr persönlicher 24-Stunden-Zugang

  • Zugang zu allen Online-Artikeln
  • E-Paper auf tageblatt.lu und in der App

Sie haben bereits ein Konto ? Melden Sie sich hier an.

Das könnte Sie auch interessieren

Welt im Krisenmodus

Militärausgaben erreichen 2025 Rekord

;