Der nächste Schlag des Putin-Regimes
Unabhängiger russischer Internet-TV-Sender „Doschd“ zum „ausländischen Agenten“ erklärt
Seit Jahren trotzt der unabhängige russische Internet-TV-Sender „Doschd“ dem Druck des Kremls. Nun haben Russlands Behörden den Kanal zum „ausländischen Agenten“ erklärt. Ohne jegliche Erklärung.
„Noch ein Coup“ und „Selber Auslandsagenten“: Journalisten protestieren gegen den Druck des Kremls auf den TV-Sender „Doschd“ Foto: AFP/Natalia Kolesnikova
Tichon Dsjadko klingt, als müsste er sich selbst Mut zureden. „Wir sind ein Fernsehsender, wir werden unsere Arbeit weitermachen wie bisher“, sagt der Chefredakteur des russischen Internetsenders „Doschd“ (Regen). Wie bisher ist in diesen Tagen allerdings wenig in den Redaktionsräumen in einer ehemaligen Kristallfabrik im Moskauer Norden los. „Ausländischer Agent“ ist „Doschd“ nun. Offiziell gebrandmarkt vom Staat. Ohne jegliche Erklärung. Auch ohne Ermittlungsverfahren, ohne Klage, ohne Prozess. Einfach abgestempelt, weil der Sender den Machthabern oft genug auf die Füße getreten ist. „Journalismus ist kein Verbrechen“, schreiben einige Journalisten auf ihre Plakate und stellen sich am Tag nach der Entscheidung des Ministeriums, die die liberal Gesinnten in Russland entsetzt, vor die Geheimdienstzentrale mitten in Moskau. Polizisten führen die Protestierenden ab.