Russischer Angriffskrieg

Ukraine greift russische Flugzeugwerke an – und das immer häufiger mit eigenen Raketen und Drohnen

Die Ukraine stemmt sich weiter dem russischen Angriffskrieg entgegen. Und das verstärkt mit Waffen aus eigener Produktion. Doch es droht neues Ungemach.

Ukrainisches Militärfahrzeug 2026 mit Drohnenschutzsystem, moderne Verteidigungstechnologie im Einsatz

Militärfahrzeuge im Jahr 2026, hier ein ukrainisches Modell: Ohne Drohnenschutz geht nichts mehr Foto: AFP/ Roman Pilipey

Russland gerät im Ukraine-Krieg immer mehr auf eigenem Staatsgebiet unter Druck. Die ukrainische Drohneneinheit hat in der Nacht zum Donnerstag rund 300 Kilometer hinter der Landesgrenze zu Russland eine wichtige Flugzeugreparaturfirma getroffen. In der Stadt Staraja Russa wurden vor allem große Transportflugzeuge der Klasse IL-76 und IL-78 wieder auf Vordermann gebracht. Der Schlag dürfte Russlands Vorrücken an der Donbass-Front verlangsamen.

Bereits am Montag hatte die ukrainische Armee rund 1.000 Kilometer tief auf russischem Gebiet mit Marschflugkörpern zugeschlagen. In Uljanowsk an der Wolga wurde das Flugzeugwerk „Aviastar“ getroffen, das vor allem Transportflugzeuge für die russische Armee baut. Laut ukrainischen Videoaufnahmen scheinen der Hangar und ein paar in der Nähe der firmeneigenen Landebahn geparkte Flugzeuge beschädigt worden zu sein.

Für diesen Angriff hat die Ukraine britische Storm-Shadow-Marschflugkörper eingesetzt. Aber zunehmend macht sich das von Russland seit 2022 angegriffene Land von ausländischen Waffenlieferungen unabhängig. Vor allem selbstgebaute Drohnen setzte die ukrainische Armee am Mittwoch bei einem Angriff auf eine wichtige russische Drohnenkriegs-Kommando- und -Ausbildungstelle bei der bereits seit 2014 besetzten Stadt Donezk ein. Auch auf der ebenso seit fast zwölf Jahren besetzten Halbinsel Krim schlug Kiew mit teils eigenen Waffen zu und zerstörte ein für die russische Luftabwehr wichtiges Reparaturwerk. Noch immer ist die Krim ein waffenstarrendes Hinterland für Russlands Angriffe auf die Ukraine.

Die immer weiter reichenden ukrainischen Drohnenangriffe haben laut Experten die sogenannte Todeszone, das unmittelbare Aufmarschgebiet hinter der eigentlichen Frontlinie, immer weiter vergrößert. Inzwischen sollen 50 bis 150 Kilometer hinter der Front auf russisch besetzter Seite als unsicher gelten. Dies stört vor allem die Logistik der russischen Invasionstruppen. Auch auf der ukrainischen Seite der Frontlinie hat sich die Todeszone vergrößert, jedoch nur auf 25 bis 40 Kilometer.

Saporoschschija in Gefahr

Einen erheblichen Anteil daran hat die erst nach der russischen Invasion 2022 gegründete ukrainische Waffenfirma „Fire-Point“. Sie hat mehrere Drohnen und den bis zu 1.600 Kilometer weit reichenden Marschflugkörper „Flamingo“ oder F-5 entwickelt. Die Flamingo-Rakete ist indes auf ausländische Antriebsmotoren und Ersatzteile angewiesen. Das soll sich dieses Jahr ändern, wenn zwei neue Entwicklungen der Firma die Testphase abgeschlossen haben. Zum einen wird schon heute der völlig in der Ukraine gebaute Marschflugkörper F-7 unter Gefechtsbedingungen getestet. F-7 soll bis zu 300 Kilometer reichen und die Qualitäten der amerikanischen ATACMS-Rakete haben. Bis zum Jahresende soll auch die reguläre Produktion der Rakete F-9 aufgenommen werden, die bis zu 850 Kilometer weit reicht. „Damit können wir direkt Moskau treffen“, sagt der „Fire-Point“-CEO.

Solche Erfolge sind für Kiew wichtig, denn die Lage an der Front sieht wenige Wochen vor der erwarteten russischen Frühlingsoffensive schlecht aus. Am Donnerstag sind die russischen Truppen an der Südfront bei der Stadt Hulajpole weiter vorgestoßen und haben nun fast die ganze Kleinstadt erobert. Von dort aus reicht rund 80 Kilometer flaches, schwer zu verteidigendes Steppenland bis nach Saporoschschija, der viertgrößten Stadt der Ukraine. Und im Donbass sind die Russen westlich von Kurachowe vorgerückt. Auch diese Eroberung von ukrainischem Gebiet gilt einem erwarteten späteren Angriff auf Saporoschschija.

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