Nahost

USA und Israel uneins über Kriegsziele im Iran

Nach knapp zwei Wochen ihrer gemeinsamen Angriffe gegen den Iran treten die unterschiedlichen Kriegsziele der USA und Israels immer deutlicher zutage.

Exiliraner in Los Angeles danken Donald Trump und Benjamin Netanjahu bei öffentlicher Kundgebung

Exiliraner in Los Angeles danken Donald Trump und Benjamin Netanjahu, doch wofür eigentlich? Foto: Patrick T. Fallon/AFP

Während US-Präsident Donald Trump ein Ende des Krieges in greifbarer Nähe sieht, sagte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu, sein Land sei mit den Angriffen auf die iranische Führung „noch nicht fertig“. Trump steht wegen des Krieges unter wachsendem innenpolitischem Druck, wohingegen Israel eine langfristige Agenda verfolgt.

Die Haltung der Bevölkerung zum Iran-Krieg unterscheidet sich deutlich: Eine Mehrheit der Israelis befürwortet die Offensive nahezu begeistert, in den Vereinigten Staaten ist die Unterstützung jedoch gering – vor allem auch angesichts der steigenden Ölpreise. „Es wird ziemlich schnell vorbei sein, der Krieg ist nur ein kurzer Ausflug“, sagte Trump vor Abgeordneten seiner republikanischen Partei, um die Sorgen zu zerstreuen.

Nicht nur die hohen Preise an den Tankstellen beunruhigen die USA. Regierungsvertreter zeigten sich auch angesichts apokalyptischer Bilder aus Teheran alarmiert. Nachdem Israel Treibstoffdepots rund um die Zehn-Millionen-Metropole angegriffen hatte, verdunkelte schwarzer Rauch am Sonntag den Himmel und raubte den Menschen die Luft zum Atmen.

Selbst Senator Lindsey Graham, ein außenpolitischer Hardliner und Verbündeter Trumps, der seit Jahren einen Krieg gegen den Iran fordert, rief Israel auf, „bitte vorsichtig zu sein, welche Ziele ihr auswählt“. „Unser Ziel ist es, das iranische Volk so zu befreien, dass seine Chancen auf ein neues und besseres Leben nicht zerstört werden, wenn dieses Regime zusammenbricht“, schrieb Graham im Onlinedienst X.

Die Ziele der USA und Israels seien ähnlich – aber nicht identisch, sagt der Geschäftsführer der Denkfabrik Washington Institute for Near East Policy, Michael Singh. Israel wolle den Iran, der unter anderem die islamistische Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen unterstützt, „dauerhaft schwächen“. Eine solche Strategie verfolge Israel in der gesamten Region, etwa indem es immer wieder auch Ziele in Syrien bombardiert – trotz des Umsturzes dort.

„Die USA haben möglicherweise weniger Appetit auf einen langen Konflikt, vor allem weil wir Prioritäten in anderen Regionen haben. Und wir können unsere Sachen packen und nach Hause gehen – Israel kann das nicht“, sagt Singh, der Nahostberater der US-Regierung in der Amtszeit von Präsident George W. Bush war.

Trump ist Israel blind gefolgt

Trumps Begründungen für den Krieg variieren: Oft sprach er davon, das iranische Militär schwächen zu wollen. Außenminister Marco Rubio sorgte für Aufsehen, als er Journalisten sagte, die USA seien einer „unmittelbaren Bedrohung“ durch den Iran ausgesetzt gewesen – eine wichtige rechtliche Voraussetzung, ohne Zustimmung des Kongresses militärische Gewalt anzuwenden.

Diese Bedrohung bestand laut Rubio darin, dass Israel einen Angriff gegen den Iran bereits beschlossen hatte, weshalb mit Vergeltung Teherans gegen US-Streitkräfte zu rechnen gewesen wäre. Die US-Demokraten, aber auch manche Republikaner, werfen Trump deshalb vor, Israel blind in einen regionalen Krieg gefolgt zu sein.

Eine knappe Mehrheit der US-Bürger lehnt einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Instituts Quinnipiac zufolge das militärische Vorgehen gegen den Iran ab. Zudem sind 44 Prozent der Meinung, die USA würden Israel zu stark unterstützen. Eine aktuelle Befragung des Meinungsforschungsinstituts Gallup ergab erstmals, dass mehr Menschen in den Vereinigten Staaten mit den Palästinensern als mit den Israelis in deren Konflikt sympathisieren.

US-Hilfe für Israel infrage gestellt

Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, der als möglicher demokratischer Präsidentschaftskandidat für 2028 gilt, stellte kürzlich die US-Hilfen für Israel infrage. Zudem stimmte er der Einschätzung zu, Israels Behandlung der Palästinenser zeige, dass es sich um einen „Apartheidstaat“ handele – eine Position, die früher undenkbar für einen führenden US-Politiker gewesen wäre.

Nach Einschätzung von Aaron David Miller, einem langjährigen US-Unterhändler im Nahen Osten, haben die USA im Krieg gegen den Iran immer noch das Heft in der Hand. „Wenn Donald Trump ‚Stopp‘ sagt, dann wird der Krieg aufhören – egal, ob die Israelis das Gefühl haben, ihre Mission sei erfüllt oder nicht“, sagt Miller. „Denn der Einfluss, den Trump auf Netanjahu hat, ist in der Geschichte der Beziehungen zwischen US-Präsidenten und israelischen Premierministern beispiellos.“ (AFP)

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