Iran

Teheran betont seine Kampfbereitschaft

Unbeeindruckt von Kapitulationsforderungen und massiven israelischen Luftangriffen hat die iranische Führung am Sonntag einen Nachfolger für den getöteten obersten Anführer Ayatollah Ali Chamenei gewählt.

Schwarzer Rauch über Teheran nach Luftangriff der israelischen Luftwaffe auf Treibstofflager

Schwarzer Rauch über Teheran, nachdem die israelische Luftwaffe ein Treibstofflager angegriffen hatte Foto: AFP

Ein Name wurde zunächst nicht bekannt gegeben, Äußerungen deuteten aber darauf hin, dass Chameneis Sohn Modschtaba seinem Vater nachfolgen soll (siehe oben). Die iranischen Revolutionsgarden betonten derweil ihren Siegeswillen und erklärten, sie könnten noch monatelang in der derzeitigen Intensität weiterkämpfen.

Das nächste geistliche Oberhaupt im Iran wird sich ohne US-Zustimmung zu der Personalie „nicht lange halten“, sagte unterdessen US-Präsident Donald Trump. „Er wird unsere Zustimmung einholen müssen“, sagte Trump am Sonntag dem Sender ABC News. „Wenn er von uns keine Zustimmung erhält, wird er sich nicht lange halten.“

Trump hatte sich bereits am Donnerstag zu dem möglichen Chamenei-Nachfolger geäußert. Chameneis Sohn sei für ihn „inakzeptabel“, zitierte ihn die Plattform Axios. „Wir wollen jemanden, der dem Iran Harmonie und Frieden bringt.“

Irans Außenminister Abbas Araghtschi nannte am Sonntag zunächst keinen Namen. Er verbat sich aber jegliches Mitspracherecht Washingtons in der Angelegenheit. „Wir erlauben niemandem, sich in unsere inneren Angelegenheiten einzumischen“, sagte Araghtschi dem US-Sender NBC.

„Intensiven Krieg fortsetzen“

Die Revolutionsgarden erklärten, sie seien in der Lage, „einen intensiven Krieg mit dem derzeitigen Tempo mindestens sechs Monate lang fortzusetzen“. Nachdem bislang Raketen der „ersten und zweiten Generation“ eingesetzt worden seien, würden in Kürze modernere Geschosse und Raketen mit großer Reichweite verwendet, drohte ein Sprecher.

Trump hatte den Iran am Freitag zur „bedingungslosen Kapitulation“ aufgefordert. Der iranische Präsident Massud Peseschkian wies dies scharf zurück: „Die Feinde müssen ihren Wunsch nach der Kapitulation des iranischen Volks mit ins Grab nehmen“, sagte er am Samstag. Trump kündigte daraufhin „sehr harte“ Angriffe auf den Iran an und drohte mit einer Ausweitung der potenziellen Ziele.

Die USA verschonen bei ihren Angriffen auf den Iran nach Angaben von Energieminister Chris Wright jedoch die Energie-Infrastruktur. Die US-Armee greife im Iran keinerlei Öl- oder Gas-Anlagen an, sagte Wright am Sonntag dem Sender CNN. Zu einem israelischen Angriff auf Öldepots in und nahe der iranischen Hauptstadt Teheran am Samstag sagte der Minister, dabei habe es sich um „örtliche Treibstofflager zum Auffüllen des Benzintanks“ gehandelt.

Angesichts der massiv gestiegenen Ölpreise auf dem Weltmarkt sagte Wright, die Auswirkungen des Iran-Krieges seien vorübergehend – „im schlimmsten Fall ein paar Wochen, aber nicht Monate“. Die Energiepreise würden „nicht viel höher steigen, als sie jetzt sind, denn die Welt ist sehr gut mit Energie versorgt“, bekräftigte Wright im Sender CBS. „Es gibt keine Energieknappheit in der gesamten westlichen Hemisphäre.“

Israel fliegt massive Angriffe

Die israelische Luftwaffe flog unterdessen in der Nacht zum Samstag eine ihrer bislang massivsten Angriffswellen auf den Iran; nach Armeeangaben attackierten 80 Kampfjets Teheran und weitere Städte im Landesinneren. Bombardiert wurde laut Armee unter anderem eine Militärakademie, eine unterirdische Kommandozentrale und ein Lager für ballistische Raketen. Auch Öldepots in Teheran wurden getroffen, die iranische Hauptstadt lag unter einer riesigen schwarzen Rauchwolke.

Laut Israels Armee wurde auch das zu den iranischen Revolutionsgarden gehörende Raumfahrtzentrum in Teheran zerstört. Dieses habe unter anderem als Kontrollzentrum für den Satelliten „Chajjam“ gedient, mit dem „der Staat Israel und dessen Bewohner“ überwacht worden seien, erklärte die Armee.

Israel griff zudem ein Hotel in der libanesischen Hauptstadt Beirut an. Die israelische Armee sprach von einem „präzisen Angriff“ auf „wichtige Kommandeure“ der iranischen Al-Kuds-Brigaden. Nach libanesischen Angaben wurden bei der Attacke mindestens vier Menschen getötet.

Der Iran setzte unterdessen seine Angriffe auf Israel und in der Golfregion fort. Iranische Angriffe mit Raketen und Drohnen wurden auch aus Bahrain, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeldet. Der iranische Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei kündigte eine Fortsetzung der iranischen Angriffe auf Nachbarstaaten in der Region an, die in Teherans Augen die USA und Israel im Krieg gegen den Iran unterstützen.

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