Afghanistan
Taliban vor den Toren Kabuls: Erst Panik, dann Mäuschenstille
Kabul erlebt einen Tag wie auf einer Achterbahn. Am Morgen verfallen alle in Panik - die Taliban, heißt es, greifen an. Am frühen Abend könnte man dann eine Stecknadel fallen hören. Die Anspannung ist groß.
Binnenvertriebene aus den nördlichen Provinzen, die aufgrund von Kämpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskräften aus ihrer Heimat geflohen sind, warten in einem öffentlichen Park auf kostenlose Lebensmittel. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
Niksad Salahuddin kommt schweißgebadet nach Hause und reißt panisch alle Schubladen seines Schreibtischs auf. Eben war er zwei Stunden lang in der prallen Sonne die staubige Straße von seinem Büro im Zentrum bis zu seinem Haus weit im Norden der afghanischen Hauptstadt Kabul zu Fuß gelaufen. „Wo ist die Schere?“, habe er seine Frau gefragt. Und dann habe er begonnen, seine schwarze Dokumentenmappe auszuräumen, erzählt der 35-Jährige am Telefon. „Ich habe eine Heidenangst“, sagt er und muss Luft holen. „Alle sagen, die Taliban sind schon in der Stadt.“