Russland
Szenen vom „Tag des Sieges“ in Moskau
Zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland sieht der russische Präsident Wladimir Putin einen „echten Krieg“ gegen sein Land entfacht. Auf den Straßen Moskaus zeigen sich die Menschen enttäuscht über die „kleine Parade“ und sind fest entschlossen, ihren Kindern den „Siegeswillen“ einzutrichtern.
Wladimir Putin erzählte gestern auf dem Roten Platz wieder die Mär vom durch den „Westen“ bedrohten Russland. Die Rede wurde vom Publikum mit Fassung aufgenommen. Foto: Gavriil Grigorov/Sputnik/AFP
Das Mädchen hat ihr flauschiges Einhorn mitgenommen. In seiner rosa Jacke sitzt es auf den Schultern des Vaters, schwenkt die Fahne. „Papa, es passiert nichts. Es kommen keine Panzer“, sagt die Fünfjährige an der Moskauer Prachtmeile Neuer Arbat. Hunderte von Schaulustigen stehen hier, um die Militärtechnik, die gerade erst über den Roten Platz gerollt war, zu sehen. Sie jubeln, sie schreien „Vorwärts, Russland“. Und sie sind enttäuscht. „So wenig los dieses Jahr“, sagt der Vater des Mädchens in Rosa. „Dabei wollte ich meiner Tochter zeigen, wie groß und mächtig unser Land ist.“ Seine Frau fügt hinzu: „Unseren Siegeswillen müssen wir den Kleinen mit der Muttermilch einflößen.“