Nach Pandemie-Gewinnen
Superreiche ziehen nach Luxemburg, um nicht zur Kasse gebeten zu werden
Die meisten Superreichen sind während der Pandemie noch reicher geworden. Nun haben sie Angst, bei der Krisenbewältigung zur Kasse gebeten zu werden. Einige richten Treuhandfonds für die Kinder ein, andere ziehen einfach um. Beliebtes Ziel dabei ist Luxemburg.
Superreiche ziehen in Staaten und Regionen um, wo die Steuergesetze und auch die Gesellschaft ihnen eher wohlgesonnen sind – Luxemburg zählt dazu Foto: Editpress/Julien Garroy
Im Pandemie-Jahr 2020 gingen ganze Länder in den Lockdown und Angestellte ins Homeoffice – zugleich wuchs das Vermögen der Milliardäre um ein Fünftel. Fast zwei Drittel von ihnen wurden reicher, wie weiter aus Daten des Magazins Forbes bis Mitte Dezember hervorgeht. Nun überlegen die Superreichen, wie sie ihr Geld in Sicherheit bringen können, wie Interviews der Nachrichtenagentur Reuters mit sieben Millionären und Milliardären sowie mehr als 20 Beratern zeigen.
Dahinter steht die Überlegung, dass die Regierungen und die Gesellschaft als Ganzes sie wegen der Kosten der Krise zur Kasse bitten könnten. „Es ist ziemlich offensichtlich, dass auf alle die Rechnung zukommt“, sagt Rob Weeber, Chef des Vermögensverwalters Tiedemann Constantia.
Sorge wegen Biden und Furcht vor Unruhen
Es sind demnach auch besonders die amerikanischen Superreichen, die davon ausgehen, dass ihr Vermögen zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit rücken wird. Aus den Interviews wird klar, dass sie unter US-Präsident Joe Biden höhere Steuern erwarten. Als Reaktion richten die US-Milliardäre nun insbesondere Treuhandfonds für ihre Kinder oder andere Verwandte ein. Gegenwärtig liegt dabei die Schwelle für eine Steuerbefreiung bei 11,7 Millionen Dollar per Person. Noch zumindest – denn Biden sprach sich im Wahlkampf dafür aus, sie wieder auf 3,5 Millionen Dollar wie im Jahr 2009 zu senken.
Zum Teil sind die Maßnahmen drastischer. Superreiche ziehen in Staaten und Regionen um, wo die Steuergesetze und auch die Gesellschaft ihnen eher wohlgesonnen sind. Die auf Staatsbürgerschaften und Wohnorte spezialisierte Beratungsfirma Henley & Partners mit Sitz in London berichtet über einen sprunghaften Anstieg von Anfragen betuchter Kunden während der Pandemie: Aus den USA sei die Zahl der Anrufe 2020 um 206 Prozent zum Vorjahr gestiegen, aus Brasilien um 156 Prozent. Die Schweiz, Luxemburg und Singapur sind als langfristige Wohnorte besonders gefragt, sagt Babak Dastmaltschi von Credit Suisse.
Besonders Superreiche in Schwellenländern sehen dabei wohl eine weitere Gefahr: Die Furcht, dass die Belastung der Sozialsysteme zu Unruhen führen könnte. Insbesondere die jüngeren Generationen reicher Familien suchen ihr Heil im Ausland. „Covid hat im Prinzip dem Kaiser die Kleider heruntergerissen“, sagt Beatriz Sanchez, die bei Julius Bär für Lateinamerika zuständig ist. „Plötzlich wurde den Leuten klar: Unser Gesundheitssystem ist nicht stark, wir können nicht wirklich auf unser soziales Netz zurückgreifen.“ (Reuters)