Die größte Stadt Südamerikas
São Paulo ist für die einen ein Paradies – und für die anderen ein Monster
Brasiliens Wirtschaftszentrum und Megalopolis ist nicht zu zähmen, die Stadtplanung hat bei ihr versagt. Oder besser: Es gab keine. Mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern, so lautet die offizielle Schätzung, und mit fast doppelt so vielen im gesamten Ballungsraum ist São Paulo aus allen Nähten geplatzt – eine Dystopie der Ungleichheit zwischen beispiellosem Luxus und bitterer Armut. Eine Rückkehr des Autors nach einem Vierteljahrhundert.
Der Moloch Foto: Governo do Estado de São Paulo
São Paulo hat keinen Anfang und kein Ende. Am besten ist es, die Erkundung der Stadt in der Nähe ihres pulsierenden Herzens zu beginnen. Die Avenida Paulista ist eine von Autos verstopfte Hauptschlagader mit einigen Einkaufszentren und Kunsttempeln. Werktags zwängt sich eine Blechlawine durch die mindestens acht Fahrspuren, manchmal bringen Demonstrationen den Straßenverkehr zum Erliegen. Die Avenida Paulista mit ihren Bürotürmen, Banken und Firmensitzen sowie dem Santa-Catarina-Hospital kreuzt sich mit der Rua Augusta, die das Zentrum mit dem Viertel Jardins verbindet und die ein beliebter Hotspot des Nachtlebens von São Paulo ist. Für viele „Paulistanos“ oder „Paulistas“, wie die Bewohner dieses Molochs genannt werden, hat die Straße eine besondere Bedeutung. Der Autor dieser Zeilen wohnte hier vor 25 Jahren eine Zeit lang im elften Stock eines Wohnhauses, von dem nur die ersten zehn Stockwerke mit dem Lift erreichbar waren, in den elften gelangte man über eine Treppe ohne Geländer. Die Aussicht war phantastisch. Nachts die vielen Lichter, tagsüber ein Meer aus Beton.