Afghanistan
Russlands gefährlicher Flirt mit den Taliban
Moskau sieht in den Taliban Terroristen und Verhandlungspartner zugleich. Noch dominiert im Land die Häme wegen des Scheiterns der USA in Afghanistan. Die Sorge vor islamistischem Terror wächst aber auch in Russland.
Gemeinsamer Grenzschutz: Russland unterhält in Tadschikistan eine Militärpräsenz mit 7.000 Mann Foto: dpa/Didor Sadulloev
Noch vor wenigen Tagen hatte sich Samir Kabulow, Russlands Sondergesandter für Afghanistan-Fragen, gelassen gegeben. „Wir fühlen uns in Sicherheit“, sagte er angesichts des immer weiteren Vormarsches der Taliban in Afghanistan. Da hatten europäische Staaten und die USA ihre Diplomaten bereits nach und nach aus Kabul evakuiert. Russland aber, das eine zwiespältige Haltung zu den Taliban pflegt, gab sich standhaft – bis Kabulow an diesem Montag erklärte, dass nun auch Teile der russischen Botschaft aus Afghanistan abgezogen würden. Man wolle „nicht zu viel Präsenz“ zeigen, sagte er in Moskau und betonte noch einmal, dass mit Vertretern der Taliban gesprochen werde. An diesem Dienstag soll offenbar der russische Botschafter in Kabul den „Sicherheitskoordinator“ der Taliban treffen. Danach werde entschieden, ob Moskau die Taliban als Regierung anerkennt. Das hänge vom „Verhalten“ der Taliban ab, sagte Kabulow.