Erst gebären, dann lernen

Russlands Demografieproblem soll zulasten der Frauen gelöst werden

Kirche und Kreml kennen die Antwort auf Russlands Demografieproblem: Frauen müssten eben mit 20 Jahren das erste Kind bekommen, statt zu studieren.

Frauen gehen in Moskau am Kreml entlang: Staat und Kirche in Russland suchen nach Wegen, damit die Frauen im Land wieder mehr und früher gebären

Frauen gehen in Moskau am Kreml entlang: Staat und Kirche in Russland suchen nach Wegen, damit die Frauen im Land wieder mehr und früher gebären Foto: AFP/Alexander Nemenov

„Seien wir doch mal ehrlich“, sagt die Familienministerin der russischen Region Baschkortostan, Lenara Iwanowa, „qualitativ hochwertige Kinder gibt es, wenn eine Frau sie mit 20 Jahren zur Welt bringt. Kinder, die später geboren werden, sind Ausschussware.“ Dem Moderator fällt in dem Augenblick nicht etwa das Mikro aus der Hand, er macht einfach beflissen weiter mit seinen Fragen. Iwanowa meldet sich wenige Tage nach ihrem Auftritt in der YouTube-Sendung „Aspekte – Baschkortostan“ wieder zu Wort, klagt über „zu viel erboste Kommentare“ wegen ihrer Aussagen. Sie habe sich doch lediglich „versprochen“, sagt sie. Am Inhalt dieser Aussagen hält sie nach ihrer halbherzigen Entschuldigung jedoch weiterhin fest: Russlands Frauen sollen zu Frühgebärenden werden, der Staat müsse ihnen das mit allerlei Maßnahmen schmackhaft machen. Doch nicht etwa mit sozialer Versorgung, mit Maßnahmen, die eine gesicherte Zukunft garantieren, anstatt Männer zu Kanonenfutter in einem Krieg zu machen, sondern mit etlichen Verboten.

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