Iran-Krieg
Rückgang bei irregulären Grenzübertritten – doch neue Krisen könnten Fluchtbewegungen auslösen
Während die europäische Grenzschutzagentur Frontex in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung von einer stark zurückgehenden Zahl von irregulären Migranten an den EU-Außengrenzen berichtet, könnte der US-israelische Angriffskrieg gegen den Iran neue große Fluchtbewegungen nach Europa auslösen.
Iranerinnen sind über die Grenze nach Armenien geflüchtet Foto: Karen Minasyan/AFP
Seit mehr als einem Jahr geht die Zahl der von Frontex verzeichneten „irregulären Grenzübertritte“ in ihrer Gesamtheit zurück. Seit der Flucht des syrischen Diktators Baschar al-Assad kam es zu einer relativen Entspannung in einem der Hauptkrisenherde vor den Toren Europas. Der seit Oktober 2023 tobende Gazakrieg wiederum hatte die Besonderheit, dass den Menschen in dem palästinensischen Küstenstreifen zum einen die Flucht verwehrt wurde, viele jedoch auch an Ort und Stelle bleiben wollten, um ihre Heimat nicht zu verlieren.
Nun aber droht mit dem US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran eine neuerliche Fluchtwelle, wenn, anders als US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Tagen mehrmals lapidar mitteilte, sich der Feldzug über einen längeren Zeitraum hinziehen oder unter Umständen ausweiten sollte. Denn nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR gebe es mittlerweile bereits an die 3,2 Millionen Binnenflüchtlinge im Iran. Diese hätten sich vor allem aus Teheran und anderen urbanen Zentren in den Norden sowie in ländliche Gebiete des Landes zurückgezogen. Das sind wiederum Gegenden, die für die Aufnahme einer so großen Anzahl an Menschen nicht ausgerüstet sind.
Näher an Europa ist der Libanon, wo laut Angaben des UNHCR fast 700.000 Menschen auf der Flucht sind. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) spricht gar von 800.000 Binnenflüchtlingen. Diese Zahl könnte sich in den kommenden Tagen erhöhen, wenn die israelische Armee ihren Krieg, wie am Donnerstag angekündigt, ausweitet. UNHCR zufolge sind bereits mehr als 78.000 syrische Flüchtlinge aus dem Libanon zurück nach Syrien gezogen. Wann die ersten Menschen sowohl aus dem Libanon als auch aus dem Iran sich in Richtung Europa aufmachen könnten, ist mit den anhaltenden kriegerischen Handlungen in der Region nur noch eine Frage der Zeit.
Rückgang an irregulären Migranten um 52 Prozent
Derweil sind in den ersten zwei Monaten des Jahres die Zahlen der irregulären Migranten an den EU-Außengrenzen wiederum stark zurückgegangen. Annähernd 12.000 Menschen hat Frontex in diesem Jahr registriert, das sind 52 Prozent weniger als noch im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Die stärksten Rückgänge gab es auf der westafrikanischen Route (-83 Prozent) und der östlichen Landgrenze (-80 Prozent). Um die Hälfte gingen die irregulären Grenzübertritte an den am meisten genutzten Routen im zentralen und östlichen Mittelmeer zurück.
Allerdings haben in diesem Jahr bereits sehr viele beim Versuch, Europa zu erreichen, ihr Leben verloren. Fast 660 Menschen schafften die Überfahrt nicht, wobei Frontex sich auf Angaben der IOM beruft. Vor allem die schlechten Wetterbedingungen hätten zu vielen Bootsunglücken geführt. Das könnte aber auch darauf hindeuten, dass die Menschenschmuggler, um schnelles Geld bei immer weniger Flüchtlingen zu machen, diese zu riskanten Überfahrten drängen.