Iran-Krieg
Rätselraten über Trumps Strategie
US-Präsident Donald Trump droht dem Iran mit einer weiteren „großen Welle“ von Luftangriffen. Welche Strategie die USA haben und welche Ziele sie nach der Tötung Ayatollah Ali Chameneis noch verfolgen, ist jedoch unklar.
Männer stehen auf den Überresten eines zerstörten Gebäudes in Teheran Foto: AFP/Atta Kenare
Der Vizepräsident der Denkfabrik Atlantic Council, Matthew Kroenig, sagt, Trump habe bereits einen Großteil dessen erreicht, was er als Ziele des Militäreinsatzes „Epischer Zorn“ benannt habe. Die USA könnten deshalb ihre Angriffe „jederzeit“ beenden „und das als Erfolg erklären“, sagt Kroenig. In der Strategie der Trump-Regierung scheine es allerdings eher darum zu gehen, „was sie vermeiden wollen, als darum, was sie genau erreichen wollen“.
Trump hatte die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm begründet und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. In seiner Rede zur Lage der Nation hatte der Präsident Teheran Ende Februar vorgeworfen, „Raketen zu bauen, die bald die Vereinigten Staaten von Amerika erreichen werden“. Belege dafür lieferte er allerdings nicht.
Kein „Experiment zum Demokratie-Aufbau“
Nach der Tötung von Irans oberstem Führer Ayatollah Ali Chamenei und weiterer Verantwortlicher hatte Trump die Iraner am Samstag aufgerufen, „sich ihr Land zurückzuholen“. Trumps Ziel im Iran sei offenbar nicht ein durch die USA und Israel herbeigeführter Wechsel der Führung, sondern eine regelrechte „Implosion des Regimes“, sagt dazu Trita Parsi, Vizepräsident des Quincy Institute. Vor allem Israel habe ein Interesse daran, dass dies „in Richtung Staatskollaps“ gehe, um den „Iran als Akteur vom geopolitischen Schachbrett zu nehmen“.
Eine Demokratie im Iran ist nach Angaben von Pentagon-Chef Pete Hegseth kein ausdrückliches Kriegsziel der USA. Es gehe nicht um ein „Experiment zum Demokratie-Aufbau“, sagte er am Montag. Die USA wollten „keine politisch korrekten Kriege“ mehr wie in der Vergangenheit, betonte der selbst ernannte „Kriegsminister“.
Unklarheit über künftige iranische Führung
Daran schließt sich die Frage an, wie die künftige iranische Führung aussehen könnte. Trump sagte dazu der New York Times, er habe „drei sehr gute Optionen“ für den zukünftigen Anführer des Iran. Namen nannte er jedoch nicht. Nach Einschätzung des Militärhistorikers Max Boot vom Council on Foreign Relations hält sich Trump die Führungsfrage gezielt offen. So könne er „einen riesigen Sieg für sich reklamieren, was auch immer passiert“.
Boot hält es für möglich, dass sich Trump mit einer iranischen Regierung begnügen könnte, die sich ihm unterwirft, in der aber letztlich die alte Garde das Sagen hat. Dafür spricht, dass der Präsident in Interviews Venezuela als „perfektes Szenario“ für den Iran bezeichnet hat. In dem südamerikanischen Land hatten die USA Anfang Januar den langjährigen Staatschef Nicolás Maduro gefangengenommen und seine Stellvertreterin Delcy Rodríguez als Übergangspräsidentin installiert.
Wochenlanger oder „ewiger Krieg“?
Wie lange der Krieg im Iran dauern könnte, ist ebenso unklar. Trump sagte am Montag, die USA hätten anfänglich „vier bis fünf Wochen veranschlagt, aber wir sind in der Lage, weit darüber hinauszugehen“. Selbst Bodentruppen schloss Trump nicht ausdrücklich aus. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Montag im US-Fernsehen: „Es kann einige Zeit dauern, aber es wird keine Jahre dauern.“ Trump hatte im Präsidentschaftswahlkampf immer wieder versprochen, keine „ewigen Kriege“ wie im Irak oder in Afghanistan mehr führen zu wollen.
Mit dem Krieg im Iran geht der Präsident im Jahr der Zwischenwahlen zum Kongress im November ein politisches Risiko ein. Laut einer Blitzumfrage der Washington Post lehnen 52 Prozent der US-Bürgerinnen und Bürger die Luftangriffe gegen den Iran ab, nur 39 Prozent unterstützten sie. Auch aus Trumps eigenem Lager gibt es Kritik. Vorherige US-Interventionen zeigen zudem, dass die Zustimmung in der Bevölkerung sinkt, je länger ein Krieg dauert und je mehr Tote es unter den US-Streitkräften gibt. (AFP)