Moskau

Putins prachtvolle Perversion des Gedenkens

Panzer rollen über den Roten Platz, Hunderte von Menschen schreien in den Straßen Moskaus „Hurra“. Was als Gedenken an die Millionen sowjetischer Opfer im Kampf gegen Nazi-Deutschland anfing, ist längst zur Triumphshow Putins verkommen – und zur Rechtfertigung seiner „Spezialoperation“ in der Ukraine.

Die Moskauer Larissa und Daler wollen ihrem fünfjährigen Jaroslaw zeigen, „wer Verteidiger und wer Feinde sind“. Dafür haben sie den Kleinen in Militärkleider gesteckt.

Die Moskauer Larissa und Daler wollen ihrem fünfjährigen Jaroslaw zeigen, „wer Verteidiger und wer Feinde sind“. Dafür haben sie den Kleinen in Militärkleider gesteckt. Foto: Inna Hartwich

Als fast zum Schluss der T-34, dieser sowjetischste aller sowjetischen Panzer, aufgebockt auf einem Laster über die Moskauer Prachtmeile Neuer Arbat fährt, ruft der fünfjährige Jaroslaw laut „Hurra“. Seine Mutter Larissa schwingt die mitgebrachte Sowjetfahne, sein Vater Daler winkt den Fahrzeugen. „Wir wollen unserem Jungen zeigen, wer Verteidiger sind und wer Feinde“, sagt der 48-jährige Daler, der als Kind vor den Kämpfen in Tadschikistan nach Moskau geflohen war. „Wir helfen mit allem, was wir haben, unseren Soldaten. Denn wir wissen: Wir werden siegen.“ Ein Laster mit der ballistischen Iskander-Rakete rollt vorbei, die Erde bebt, der Fahrer hupt.„Ist es eine Atombombe?“, fragt der Fünfjährige, den sein Vater extra auf ein Café-Geländer gestellt hatte.

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