Meinung von Außen
Nobelpreisträger Daron Acemoglu: Trumps Iran-Schlamassel könnte Amerika zu Fall bringen
Unter Präsident Donald Trump hat die US-Außenpolitik einen neuen Tiefpunkt erreicht, analysiert Wirtschaftsnobelpreisträger Daron Acemoglu in seinem Beitrag. Schaden wird das vor allem Amerika selbst.
Trump und sein sich „Kriegsminister“ nennender Verteidigungsminister Hegseth in Washington: unüberlegte Auslandsabenteuerer Foto: AFP/Brendan Smialowski
Unter Präsident Donald Trump hat die US-Außenpolitik einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der Krieg seiner Regierung gegen den Iran – unmittelbar nach der Entführung des venezolanischen Diktators – wird den Vereinigten Staaten schaden und die Sichtweise der übrigen Welt auf die Macht Amerikas verändern.
Freilich ist dies nicht das erste Mal, dass die USA eine verhängnisvolle und schlecht vorbereitete Intervention im Ausland durchführen. Besonders bedeutsam im aktuellen Kontext war der Sturz des vom Volk gewählten iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh durch die CIA im Jahr 1953, nachdem dieser die in britischem Besitz stehende Ölindustrie des Landes verstaatlicht hatte. Zwar wäre es übertrieben zu behaupten, Mossadeghs Sturz hätte die iranische Revolution des Jahres 1979 ausgelöst, doch bestehen kaum Zweifel, dass die dreiste Intervention der CIA die Sichtweise vieler Iraner auf die absolute Monarchie prägte, die die USA an Mossadeghs Stelle installiert hatten.
Völlige Missachtung der Betroffenen
Aus diesem Grund unterstützten auch so große Teile der iranischen Bevölkerung – darunter Kommunisten, Konservative und Liberale – zunächst den Sturz des Schahs. Tragischerweise war Ayatollah Ruhollah Chomeini alles andere als ein konsensorientierter Führer. Er wandte sich rasch gegen seine ehemaligen Verbündeten und errichtete das äußerst repressive theokratische Regime, das bis heute an der Macht ist.
Die Lehre daraus lautet, dass US-Interventionen oft zahlreiche unvorhergesehene Folgen haben. Sie erzeugen nicht nur lang anhaltende Ressentiments, sondern prägen auch die Soft Power (die Überzeugungs- und Anziehungskraft), mit der Amerika seit jeher sein globales Bündnisnetzwerk zusammenhält und andere vom friedlichen Charakter seiner Hegemonie überzeugt, die zur internationalen Stabilität und Berechenbarkeit beiträgt.
Noch schlimmer für die Soft Power eines Landes ist eine schlecht geplante Militäraktion, deren Durchführung von völliger Missachtung des Schicksals der Betroffenen zeugt
Das ist insofern von Bedeutung, als die meisten Menschen natürlich Widerstand leisten, wenn sich eine Hegemonialmacht wie ein Tyrann aufführt. Häufige, ungerechtfertigte Demonstrationen von Hard Power untergraben die Soft Power, insbesondere wenn einer Intervention die schlüssige Begründung fehlt. Während des Kalten Krieges verfolgten die USA zumindest das übergeordnete Ziel, die Ausbreitung des Kommunismus zu stoppen, der eine echte Bedrohung darstellte.
Noch schlimmer für die Soft Power eines Landes ist eine schlecht geplante Militäraktion, deren Durchführung von völliger Missachtung des Schicksals der Betroffenen zeugt. Genau das erleben wir derzeit im Nahen Osten. Trumps impulsiver Krieg wird die Soft Power der USA mit Sicherheit auf einen historischen Tiefpunkt sinken lassen, und niemand in seiner Regierung macht sich Gedanken darüber, verlorenes Terrain wieder gutzumachen. Soft Power wird von diesem Weißen Haus überhaupt nicht gewürdigt. Vielmehr sieht man Drohungen und bilaterale Absprachen als Alternativen, die Sympathien ausländischer Führungspersönlichkeiten und der Öffentlichkeit zu gewinnen.
Natürlich ist das iranische Regime überaus grausam und repressiv. Die meisten iranischen Bürger hegen keine Sympathie für den neuen Obersten Führer, Mojtaba Chamenei (den Sohn des früheren Obersten Führers), oder für das Korps der Islamischen Revolutionsgarden. Doch das heißt nicht, dass das Regime zusammenbrechen wird, geschweige denn, dass eine Intervention der USA Frieden und Stabilität in die Region bringen wird.
Das Bemerkenswerteste an diesem Krieg ist seine schlechte Planung – selbst im Vergleich zu einigen der katastrophalsten Interventionen der CIA während des Kalten Krieges. Das US-amerikanische und das israelische Militär verfügten über zahlreiche genau definierte Ziele und Präzisionsbomben, aber es gab keine erkennbare Exit-Strategie.
Eigentlich hätte klar sein müssen, dass das iranische Regime nicht sofort zusammenbrechen würde, selbst nachdem die oberste Führung ausgeschaltet worden war. Und es war völlig absehbar, dass die Vergeltungsmaßnahmen des Iran auf eine Destabilisierung der Region und einen Anstieg der Ölpreise abzielen würden. Es war schon immer allgemein bekannt, dass die Straße von Hormus der Trumpf des Regimes ist. Doch die Trump-Regierung scheint diese Überlegungen ignoriert zu haben, zumindest wenn man den jüngsten Äußerungen hochrangiger Regierungskreise Glauben schenkt.
Infolgedessen könnte das iranische Regime zu der Überzeugung gelangt sein, dass es die besseren Karten in der Hand hält. Man weiß, dass die amerikanischen Bürger keine Lust auf einen langwierigen Krieg haben, und man ist bereit, die derzeitige Blockade durchzustehen und die Bevölkerung so lange zu unterdrücken, wie es nötig ist, um das Überleben der Islamischen Republik zu sichern. Die wachsende Fassungslosigkeit auf den Weltmärkten ist Ausdruck dieser Einschätzung.
In einer Zeit, in der die Wirtschaft ohnehin schon fragil erschien – wie die weitverbreiteten Spekulationen über eine KI-Blase zeigen –, könnten Turbulenzen auf dem Energiemarkt und zunehmende globale Unsicherheit Ärger bedeuten. Der starke Anstieg der Ölpreise wird Investitionen und Wirtschaftswachstum bremsen sowie die Preise in die Höhe treiben. Die daraus resultierende höhere Arbeitslosigkeit und Inflation wird den amtierenden Regierungen teuer zu stehen kommen, unter anderem in Europa, wo man sich Herausforderungen durch rechtspopulistische Außenseiter gegenübersieht (auch wenn die meisten europäischen Führungen den Krieg ablehnen und Trumps Forderung nach Entsendung von Kriegsschiffen zur Unterstützung der USA bei der Wiederöffnung der Meerenge rundweg zurückweisen).
Im eigenen Land dürfte Trump bei den Zwischenwahlen im November wohl einen hohen politischen Preis für seinen Krieg zahlen. Allerdings gilt Trump als Anti-Establishment-Führer, und sollten seine eingefleischten Anhänger eher das Establishment als ihn für die sich verschlechternde Wirtschaftslage verantwortlich machen, könnte dies zu einer weiteren Polarisierung des Landes führen und dessen Institutionen schwächen.
Den Preis werden die Amerikaner zahlen
Trump selbst wird durch Versuche, Republikaner und Demokraten gegeneinander aufzuhetzen – und vielleicht durch noch provokativere innenpolitische Maßnahmen – wahrscheinlich weiteres Öl ins Feuer gießen. Die US-Institutionen sind ohnehin schon geschwächt, da viele der Normen und Kontrollmechanismen, die die Macht des Präsidenten beschränken sollen, nicht mehr funktionieren. Dies kommt Trumps Agenda zugute, und er wird jede Gelegenheit zur weiteren Schwächung der Institutionen nutzen.
Es bleibt abzuwarten, wie viel Schaden die amerikanische Demokratie und Soft Power durch dieses unüberlegte Auslandsabenteuer noch nehmen werden. Eines scheint jedoch wahrscheinlich: Den Preis dafür werden die amerikanischen Bürger zahlen, und er wird höher ausfallen, als wir es derzeit überhaupt abschätzen können. Die Bedrohung für Demokratie, soziale Stabilität und wirtschaftliche Resilienz der USA ist heute größer als je zuvor.
(Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier)
* Daron Acemoglu ist Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 2024, Institute Professor für Wirtschaftswissenschaften am Massachusetts Institute of Technology und Verfasser des (gemeinsam mit Simon Johnson verfassten) Buchs „Macht und Fortschritt. Unser 1000-jähriges Ringen um Technologie und Wohlstand“ (Campus Verlag, 2023).
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