Social-Media-Verbot wirkt

Meta sperrt eine halbe Million Konten in Australien

Einen Monat nach Inkrafttreten von Australiens Social-Media-Verbot zieht Meta eine erste Bilanz: 544.052 gesperrte Teenager-Konten in nur sieben Tagen. Doch während die Tech-Konzerne Tausende Konten deaktivieren, feiern Jugendliche im Netz mit dem Hashtag „I survived the ban“ ihre erfolgreichen Umgehungsstrategien.

Jugendliche in Australien umgehen erfolgreich digitale Alterserkennung und Altersverifizierung bei Online-Diensten

Manche Jugendliche in Australien haben Mittel und Wege gefunden, die Alterserkennung und -überprüfung zu umgehen Foto: AFP/David Gray

Meta hat mehr als eine halbe Million Konten von Teenagern auf Facebook, Instagram und Threads infolge von Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige deaktiviert. Etwas mehr als einen Monat nachdem das weltweit einzigartige Verbot in Kraft getreten ist, kündigte der Tech-Konzern am Montag an, dass zwischen dem 4. Dezember, als das Unternehmen mit der Deaktivierung begann, und dem 11. Dezember 544.052 Konten gesperrt wurden. Das umfasste 330.639 auf Instagram, 173.497 auf Facebook und 39.916 auf Threads.

„Die Umsetzung des Gesetzes bleibt ein komplexer, fortlaufender Prozess, der weiter verfeinert werden muss – insbesondere vor dem Hintergrund fehlender Industriestandards bei der Online-Altersverifikation“, hieß es vonseiten Meta in einem Blogbeitrag. Die zehn Plattformen, die von dem Verbot erfasst werden – darunter TikTok, Snapchat, X, Reddit und YouTube – hatten alle am 10. Dezember Alterskontrollen implementiert. Bei Snapchat sollen rund 440.000 Konten betroffen sein, bei TikTok wurden bereits über 200.000 Konten deaktiviert.

Chaotischer Start

Doch trotz der beeindruckenden Zahlen verlief der Start des Verbots chaotisch. Bereits am Morgen des 10. Dezember griff beispielsweise der 14-jährige Zac wie gewohnt zum Handy und tippte auf X spöttisch an Premierminister Anthony Albanese: „Wie kann es sein, dass ich diese App noch nutzen kann, obwohl ich 14 bin, Albo? Toller Start!“ Ein Hashtag, „I survived the ban“, begann zu trenden, als viele unter 16-Jährige feierten, die neuen Regeln zu umgehen.

Die Schattenministerin für Kommunikation, Melissa McIntosh, kritisierte am Samstag gegenüber Sky News, sie habe Berichte erhalten, dass „einen Monat später nur sehr wenige Kinder von ihren Konten ausgeschlossen wurden“. „Viele Konten von unter 16-Jährigen wurden nicht deaktiviert, während andere, die zunächst entfernt wurden, inzwischen wieder aktiv geworden sind.“ Die von der Regierung als effizient bezeichneten Altersverifikationsmethoden hätten sich als anfällig erwiesen – bereits einfache Mittel wie Make-up und geeignete Beleuchtung reichten aus, so die Oppositionspolitikerin.

Geteilte Reaktionen

Tatsächlich berichten Eltern von kreativen Umgehungsstrategien: Eine Mutter schrieb, ihr Kind habe die Gesichtserkennung „mit einem falschen Bart“ überlistet. Eine andere berichtete, ihre zwölfjährige Tochter sei mit künstlichen Wimpern, Mascara und Make-up als „17+“ eingestuft worden. Lisa Given, Informationswissenschaftlerin an der RMIT University, erklärt die technischen Grenzen: Die Fehlerquote bei Gesichtsscans liege bei ein bis drei Jahren. „Ein 14-Jähriger kann für 17 gehalten werden – und damit als alt genug.“

Andere dagegen berichteten, der Entzug habe „bereits einen tiefgreifenden Effekt“. Eine Mutter schrieb dem Guardian, ihr Sohn habe sie plötzlich gefragt, ob sie am Nachmittag etwas gemeinsam unternehmen wollten. Die eSafety-Beauftragte Julie Inman Grant räumt ein, dass der Start holprig sei: „Accounts verschwinden nicht einfach auf magische Weise“, gestand sie bereits im Dezember gegenüber dem Sender ABC. Die Systeme benötigten Zeit, um sich „durch die Plattformen zu arbeiten“.

Kinder weichen auf andere Plattformen aus

Die Opposition kritisiert die Umsetzung trotzdem scharf. McIntosh bemängelt: Die Kinder, die tatsächlich den Zugang verloren hätten, seien einfach auf andere Plattformen wie Yope und Lemon8 umgestiegen, die nicht im Verbot enthalten sind. „Dies ist einer der grundlegenden Fehler dieser Politik. Sie zielte auf den Zugang ab statt auf den Schaden.“ Die Regierung solle „schädliche Algorithmen und die extremen und toxischen Inhalte“ angehen, die Social Media unsicher machen, anstatt unter 16-Jährige ganz zu entfernen. Meta forderte die australische Regierung dann auch auf, konstruktiv mit der Industrie zusammenzuarbeiten, um „einen besseren Weg nach vorn“ zu finden.

Australien ist weltweit der erste Staat, der ein solches Verbot umsetzt. Den Plattformen drohen bei einer Nichteinhaltung der neuen Regeln hohe Strafen von bis zu 50 Millionen australischen Dollar (fast 30 Millionen Euro). Ausgenommen sind Gaming-Plattformen, Messenger wie WhatsApp sowie Bildungs- und Gesundheitsangebote.

Die öffentliche Unterstützung für das Verbot ist in Australien groß (67 Prozent laut Resolve Political Monitor). Auch international wird die Debatte aufmerksam verfolgt: Länder wie Dänemark, Italien oder Neuseeland erwägen ähnliche Schritte. Die französische Regierung will ab September Kindern unter 15 Jahren die Nutzung sozialer Medien verbieten.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch Interessieren

Social-Media-Verbot wirkt

Meta sperrt eine halbe Million Konten in Australien