Kroatiens Nazi-Problem
Machtbeteiligung der nationalistischen DP hat gesellschaftlichen Rechtsruck verstärkt
Die Frage des Umgangs mit rechtsextremen Populisten treibt ganz Europa um. Seit dem Regierungseintritt von Kroatiens nationalistischer DP sind deren Umfragewerte zwar abgestürzt. Doch ihre Machtbeteiligung hat zu einem gesellschaftlichen Rechtsruck geführt und den Fremdenhass und Antisemitismus verstärkt.
Kroatiens Ministerpräsident Andrej Plenkovic beim EU-Gipfel am 16. Oktober in Brüssel AFP
Die Aufschrift „Ajax“ prangte in weißen Lettern auf dem hellblauen Sarg auf dem Dach des betagten Golfs, der an der Spitze des Fan-Korsos durch die Straßen der kroatischen Hafenstadt Split rollte. „Auf geht’s Ustascha!“, „Steh auf Adolf Hitler“ oder „Auschwitz, Auschwitz, Juden ins Gas!“, skandierten am Donnerstag schwarz gekleidete „Torcida“-Ultras von Hajduk Split. Ausgelassen stimmten sie auf dem Weg ins Stadion Spottgesänge auf die Verbrennung von Juden oder auf die „jüdische Hure“ Anne Frank an.
Der 2:1-Sieg von Hajduk Split gegen Ajax Amsterdam in der Conference League wird bald in Vergessenheit geraten. Die Filmsequenzen von dessen trister Ouvertüre dürften aber noch lange durch die Webwelten geistern: Nicht nur internationale Medien, sondern auch Kroatiens Öffentlichkeit reagierten entsetzt auf die antisemitischen Exzesse von Split.