Wahlen in Brasilien

Lula gegen Bolsonaro Jr.: Das Duell der Missionare

Brasilien wählt am 4. Oktober ein neues Staatsoberhaupt. Das Land ist seit Jahren gespalten. Alles deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Lula da Silva und Flávio Bolsonaro hin. Eine Stichwahl ist für den 25. Oktober vorgesehen.

Lula in seinem Element: In São Bernardo do Campo startete der brasilianische Präsident Luiz Inácio da Silva in den Wahlkampf

Lula in seinem Element: In São Bernardo do Campo startete der brasilianische Präsident Luiz Inácio da Silva in den Wahlkampf Foto: Andre Penner/AP/dpa

Auf dem Spielfeld im Stadion Vila Euclídes von São Bernardo do Campo hat einst alles begonnen. Luiz Inácio Lula da Silva ist zum Start seines Wahlkampfes in das Industriegebiet am Südrand von São Paulo zurückgekehrt, wo er vor fast einem halben Jahrhundert als Gewerkschaftsführer an der Spitze eines Streiks stand, der langfristig zum Ende der brasilianischen Militärdiktatur (1964-1985) beitrug. „Die Emotionen, die ich heute hier empfinde, sind einzigartig – sie sind noch stärker als die, die ich 1979 in genau diesem Stadion empfand“, sagt der Präsident, der wiedergewählt werden und damit seine vierte Amtszeit antreten möchte.

Die Gesellschaft müsse wissen, wo die Ursprünge jener Bewegung lagen, die einst von den Streitkräften unterdrückt wurde, betont der Kandidat der linken Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores, PT), der einen Panamahut und ein weißes Hemd trägt. Das Regime ließ die Anführer des Streiks damals einsperren, darunter auch Lula. Hätte es jene Versammlung von 1979 nicht gegeben, wäre all das, was danach folgte, kaum möglich gewesen: die Stärkung der Gewerkschaftsbewegung, die Einheit der Arbeiter im strategisch wichtigen Industriezentrum von São Paulo und die Gründung der PT im Jahr 1980 – mit der Unterstützung verschiedener politischer Kreise, der katholischen Kirche, Intellektueller und Aktivisten, die im Widerstand eine wichtige Rolle spielten.

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