Schweden

Lockere Corona-Strategie scheint zu funktionieren

Trotz hämischer Unkenrufe aus dem In- und Ausland über Schwedens vermeintlich viel zu lockeren Weg in der Corona-Krise mehren sich nun die Zeichen, dass die Pandemie im Griff ist, obwohl fast alles erlaubt blieb.

In Schweden ist weiterhin erlaubt, was in anderen Ländern streng verboten ist

In Schweden ist weiterhin erlaubt, was in anderen Ländern streng verboten ist Foto: AFP/TT News Agency/Anders Wiklund

Stockholm ist derzeit die freiste Stadt Europas. Auch wenn das Land nicht weniger Probleme mit Covid-19 hat, blieb bislang fast alles geöffnet: Geschäfte aller Art und Einkaufszentren, Cafés, Bars, Fitnessstudios, kleinere Clubs, Büros, Kindergärten, Schulen bis zur einschließlich 9. Klasse und sogar einige Kinos. Selbst Ansammlungen von 500 und dann 50 Leuten blieben erlaubt und Klopapier gibt es reichlich.

Die hämischen Unkenrufe aus dem Ausland, wo ganze Nationen eingesperrt wurden, aber auch von Kritikern im Inland waren laut und zahlreich. Schweden würde ein gefährliches Experiment durchführen auf Kosten der Alten und Kranken, für die Covid-19 tödlich sein kann.

Entgegen aller Kritik scheint sich die Lage derzeit deutlich zu beruhigen. Covid-19 war bislang nicht so schrecklich trotz lockerer Eindämmungspolitik. Ein riesiges Feldlazarett, das vorsorglich in Stockholm aufgestellt wurde, wo die meisten infizierten Schwerkranken sind, bleibt weiter gänzlich geschlossen, wegen fehlendem Bedarf. Laut den jüngsten Zahlen des Gesundheitsamts am Montagnachmittag sind die Zahlen der Neuzugänge auf den Intensivstationen gleichbleibend auf relativ niedrigem Niveau. Insgesamt sind nur 919 Schweden gestorben, bei 10.948 bestätigten Fällen. Allerdings werden in Schweden nur sehr wenige Personen getestet. Bis Ende April könnte laut Prognose die Hälfte des Volkes den Virus in sich getragen haben oft, ohne es zu merken, oder nur mit sehr leichten Symptomen. Dann greift eine Art Herdenimmunität. Weil es so viele gibt, die immun sind, hat es das Virus schwer, sich weiter auszubreiten, etwa hin zu Risikogruppen.

Entwarnungszeichen

Selbst von den Stockholmer Krankenhäusern, die stets über zu geringe Mittel und zu wenig Personal klagen, hört man erstmals, dass sich die Lage beruhigt hat. Am Stockholmer Karolinska Krankenhaus ist die Situation in der Coronaintensivstation deutlich ruhiger geworden, so Oberarzt David Konrad gegenüber dem öffentlich rechtlichen TV SVT. Immer mehr Patienten würden derzeit entlassen, sagt er. Und von den vor allem Alten und Schwerkranken, die mit lebensgefährlichen Symptomen eingeliefert wurden, hätten deutlich über 80 Prozent überlebt. 177 Intensivstationsplätze waren am Wochenende frei für neue Patienten.

„Es gibt viele freie Plätze in den Intensivstationen in allen Stockholmer Krankenhäusern“, so der Oberarzt. Derzeit kümmert er sich noch um 127 Coronapatienten. Täglich kommen nur um die „sechs bis zwölf“ Patienten mit schwereren Symptomen hinzu. „Wir nähern uns der Abflachung der Erkrankungskurve“, sagt Konrad. Auch von den Profis im Gesundheitsamt, das in Schweden fast alleinverantwortlich ohne Politiker über die Coronapolitik für die gut zehn Millionen Schweden entscheidet, kommen Entwarnungszeichen. Freilich wird immer betont, dass es noch zu früh sei für eine endgültige Aussage. Doch Schweden scheint auf dem rechten Weg zu sein, wenn es nicht doch noch anders kommt.

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