Großbritannien

Katastrophe für Labour: Die Grünen schaffen den Durchbruch in Manchester

Es war eine katastrophale Wahlnacht für Labour. Die britische Regierungspartei erlitt eine historische Schlappe in einem Wahlkreis, der eigentlich eine ihrer stolzesten Hochburgen sein sollte.

Hannah Spencer und Grünen-Chef Zack Polanski feiern den Wahlsieg der Grünen in grüner Parteikleidung

Die grüne Wahlsiegerin Hannah Spencer und Grünen-Chef Zack Polanski sind nach dem Erfolg ihrer Partei in Feierlaune Foto: Paul Ellis/AFP

In einer Nachwahl zum Unterhaus im Großraum Manchester verlor Labour den Wahlkreis Gorton and Denton an die Grünen, die 41 Prozent der Stimmen erhielten. Um die Schmach komplett zu machen: Labour fiel mit lediglich 25 Prozent noch hinter die Rechtspopulisten von Reform UK, die 29 Prozent erreichten, auf den dritten Platz zurück. In der Regierungszentrale Downing Street klingeln die Alarmglocken: Der angeschlagene Premierminister Keir Starmer wird durch die Wahlschlappe weiter geschwächt, schon mehren sich Rufe von Genossen nach seinem Rücktritt.

Die Nacht gehörte eindeutig den Grünen. Ihre Kandidatin Hannah Spencer, eine Klempnerin und Stadträtin in Manchester, sagte in ihrer Siegesrede: „Früher brachte harte Arbeit einem etwas ein. Heute schuften wir, um die Taschen von Milliardären zu füllen.“ Ihre klassenkämpferische Rhetorik spiegelt den Wandel bei den Grünen unter ihrem neuen Vorsitzenden Zach Polanski. Der Ökopopulist, der eine Reichensteuer einführen und Masseneinwanderung erlauben will, setzt derzeit weniger auf das Thema Umwelt als vielmehr auf das Thema Lebenshaltungskostenkrise. Genau damit konnte Hannah Spencer bei den Wählern punkten und den Sozialdemokraten das Wasser abgraben.

Darüber hinaus war das Thema Gaza-Konflikt wahlentscheidend, denn fast ein Drittel der Wähler in Gorton and Denton sind muslimisch. Die Grünen, die eine offensiv pro-palästinensische Position vertreten, warfen Labour im Wahlkampf die Unterstützung Israels und die Verantwortung für den in Gaza erfolgten Genozid vor.

Weitere Wahlen Anfang Mai

Die Sozialdemokraten wurden zum Opfer einer Zangenbewegung. Neben den Wählern, die ihnen links zu den Grünen wegliefen, konnte von rechts die Anti-Establishment-Partei Reform UK ehemalige Wähler aus der Arbeiterklasse abspenstig machen. Labours Argument war stets gewesen, dass man die einzige Partei sei, die die Rechtspopulisten aufhalten könne, und eine Stimme für die Grünen wäre Verschwendung. Mit dem Ergebnis der Nachwahl kehrt sich dieses Argument gegen Labour, und Zach Polanski kann behaupten, dass die Grünen jetzt die eigentliche linke Alternative sind.

Der Wahlausgang von Manchester wird zum „existenziellen Risiko“, wie ein Labour-Insider meinte. „Wir sind hier, um euch zu ersetzen“, hatte Polanski, als er im letzten September die Wahl zum Parteivorsitzenden gewann, den Labour-Chef Keir Starmer gewarnt. Vielen Labour-Abgeordneten mit geringen Wahlkreismehrheiten klingt das jetzt wie ein böses Omen im Ohr.

Kein Wunder also, dass die Stimmung bei den Genossen immer rebellischer und die Position von Keir Starmer immer wackliger wird. Er wird persönlich für die Niederlage verantwortlich gemacht, hatte er doch die Kandidatur des Bürgermeisters von Manchester, Andy Burnham, der die besten Chancen auf einen Sieg gehabt hätte, persönlich geblockt. Zugleich ist der Premier der unbeliebteste Regierungschef seit Aufzeichnungen begannen, und die Welle der Unzufriedenheit im Land wendet sich mit voller Wucht gegen die Sozialdemokraten. Anfang Mai stehen in England Kommunalwahlen und in Schottland und Wales Abstimmungen zu den Regionalparlamenten an. Wenn die für Labour so schlecht ausgehen wie erwartet, dürfte Starmers Position unhaltbar werden.

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