Fall Collien Fernandes
Justiz bestätigt Ermittlungen auf Mallorca – wie es nach der Strafanzeige weitergeht
Schauspielerin und TV-Star Collien Fernandes hat gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen Anzeige erstattet. Die Justiz auf Mallorca bestätigt ein laufendes Vorermittlungsverfahren. Wie es nun weitergeht.
Collien Fernandes hat gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen Anzeige erstattet Foto: dpa/Daniel Bockwoldt
Im Fall der Anzeige von Schauspielerin und TV-Star Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen hat die Justiz auf Mallorca ein laufendes Vorermittlungsverfahren bestätigt. Das teilte Agnès Antich, Sprecherin des Obersten Gerichts der Balearen, auf Anfrage des Tageblatt mit. Demnach wurden die Vorermittlungen mit dem Aktenzeichen DPA 1365/2025 bereits „am 2. Dezember 2025 eingeleitet“.
Nach Angaben der Gerichtssprecherin werden die Ermittlungen „von der Abteilung für Gewalt gegen Frauen“ geführt. Zugleich betonte sie: In Spanien sei die Ermittlungsphase grundsätzlich nicht öffentlich. Die Untersuchungen befänden sich in einem „sehr frühen und vertraulichen Stadium“.
Weiter erklärte Antich: Fernandes habe „Anzeige erstattet wegen mutmaßlicher Vortäuschung einer Identität, Verletzung von Geheimnissen, Beleidigung mit öffentlicher Verbreitung, fortgesetzter Misshandlung und schwerer Bedrohung“.
Zugleich schränkte die Sprecherin ein, bei dieser Beschreibung handele es sich zunächst um „den Inhalt der Anzeige“. Das Gericht müsse nun erst einmal den genauen Sachverhalt untersuchen. „Erst später, wenn die Staatsanwaltschaft ihre rechtliche Bewertung und Anklage vorlegt, wird festgelegt, wegen welcher Straftaten gegen den Beschuldigten ermittelt wird.“
Verbreitung von pornografischen Deepfake-Inhalten
Fernandes hat in ihrer Anzeige schwere Vorwürfe gegen Ulmen erhoben. Nach ihren Schilderungen geht es um gefälschte Profile in sozialen Netzwerken, die unter ihrem Namen erstellt worden sein sollen, sowie um die Verbreitung von pornografischen Deepfake-Inhalten und damit verbundene Formen digitaler Gewalt.
Solidaritätskundgebung
In der Debatte über sexualisierte Gewalt im Internet stoßen Pläne für ein schärferes Vorgehen und härtere Strafen parteiübergreifend auf Unterstützung. Auch die Zivilgesellschaft machte im Fall der Schauspielerin Collien Fernandes mobil: Am Brandenburger Tor in Berlin versammelten sich am Sonntagnachmittag mehrere tausend Menschen, um gegen sexualisierte Gewalt zu demonstrieren und schärfere Gesetze zu fordern.
Zu der Kundgebung hatte ein neu gegründetes Bündnis aufgerufen. Ziel dabei war es ausdrücklich auch, Solidarität mit Collien Fernandes zu bekunden, die schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben hatte. Dabei geht es um das Verbreiten gefälschter pornografischer Aufnahmen. Den Veranstalterinnen zufolge nahmen an der Kundgebung 15.000 Menschen teil, die Berliner Polizei bezifferte die Zahl der Teilnehmenden auf etwa 6.700.
Warum sie den Fall in Spanien zur Anzeige brachte, begründete Fernandes selbst in den ARD-Tagesthemen: „Wir haben uns sehr bewusst dafür entschieden, in Spanien zu klagen, weil in Spanien die Rechte von Frauen deutlich besser sind als in Deutschland. Zudem hat Ulmen seinen Wohnsitz in Spanien“, sagte Fernandes. „Dadurch hatten wir die Möglichkeit, diesen Sachverhalt in Spanien anzuzeigen.“ Das Paar lebte in den letzten Jahren auf Mallorca.
Bisher keine Äußerung von Ulmen
Christian Ulmen selbst hat sich zu den Vorwürfen seiner Ex-Frau bislang nicht geäußert. Seine Anwälte haben die Berichterstattung über die Beschuldigungen als in wesentlichen Teilen unzulässige Verdachtsberichterstattung kritisiert. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Spanien gilt im europäischen Vergleich als Vorreiter bei der Verfolgung von Gewalt gegen Frauen – auch im digitalen Raum. Spezialisierte Gerichte und Staatsanwaltschaften befassen sich gezielt mit geschlechtsspezifischer Gewalt, Schutzmaßnahmen für Betroffene greifen oft früh, etwa durch Kontaktverbote oder elektronische Überwachung von Tatverdächtigen.
Zudem wurde das Sexualstrafrecht mehrfach reformiert und umfasst inzwischen ausdrücklich auch Übergriffe im Internet. Dazu zählen unter anderem Online-Identitätsmissbrauch, digitales Stalking sowie die Verbreitung intimer Inhalte ohne Einwilligung. Weitere Gesetzesinitiativen zielen darauf ab, Deepfake-Pornos ausdrücklich unter Strafe zu stellen.Frühere Ermittlungen
Auch zu früheren Ermittlungen aus dem Jahr 2023, in die Fernandes und Ulmen auf Mallorca verwickelt waren, nahm die Gerichtssprecherin nun Stellung. Das „Schnellverfahren 10/2023“ sei abgeschlossen. Es sei „nach einem Polizeieinsatz eingeleitet“ worden, „mutmaßlich aufgrund eines Streits im familiären Umfeld“. Antich erklärte: „Der Fall wurde untersucht, Beweise und Zeugenaussagen wurden erhoben, und die Staatsanwaltschaft beantragte die Einstellung des Verfahrens.“
Über die Hintergründe dieses inzwischen eingestellten Verfahrens hatte zuvor das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet. Demnach kam es im Januar 2023 auf Mallorca nach einem Streit zwischen den damaligen Eheleuten zu einem Polizeieinsatz. Nach Darstellung des Magazins stand dabei zeitweise der Verdacht häuslicher beziehungsweise geschlechtsspezifischer Gewalt im Raum.
Bestätigt wurde von der Justizsprecherin außerdem das inzwischen abgeschlossene Scheidungsverfahren des früheren Ehepaars, das 14 Jahre verheiratet war. Der Scheidungsprozess sei in Palma „im gegenseitigen Einvernehmen am 18. Februar 2026 abgeschlossen“ worden.