Kalt erwischt
Island-Referendum wird zur Schlappe für die EU-Erweiterungs-Agenda
Betretenes Schweigen in der Europäischen Kommission, lautes Bedauern im Europaparlament: Der Ausgang der Volksabstimmung in Island hat die EU kalt erwischt.
Die Entscheidung endete in einem „Nein“ zur EU Foto: AFP
Island hat „Nein“ zu neuen Beitrittsverhandlungen mit der EU gesagt. Die Bürgerinnen und Bürger des nordischen Inselstaats lehnten in einem Referendum eine Wiederaufnahme der Gespräche mit 52,8 Prozent der Stimmen ab, wie der Sender RUV am Sonntag nach Auszählung aller Stimmen meldete. Die Befürworter lagen demnach bei 47,2 Prozent.
Die etwa 273.000 Abstimmungsberechtigten hatten am Samstag bei einer hohen Beteiligung von 82,5 Prozent mit „Ja“ oder „Nein“ über die Frage abgestimmt: „Soll Island die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wieder aufnehmen?“. Die erfolgte Ablehnung wird die EU-Frage in Island voraussichtlich bis mindestens 2028 auf Eis legen. Das Land mit knapp 400.000 Einwohnern hatte nach der Finanzkrise 2009 den Beitritt zur EU beantragt. Die Gespräche wurden aber 2013 abgebrochen, als eine EU-kritische Regierung in Reykjavik an die Macht kam.