Sicherheit
Irland steckt mehr Geld in die Verteidigung – Bessere Koordination mit Paris und London
Großbritannien und Irland haben am Freitag beim Besuch des britischen Premiers Keir Starmer im irischen Cork eine bessere Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik beschlossen.
Der britische Premierminister Keir Starmer (Mitte) und sein irischer Amtskollege Micheál Martin (rechts) beim Besuch eines Labors am Tyndall National Institute in Cork, Irland Foto: AFP/Cathal McNaughton
Dies betrifft vor allem das ausgedehnte Netz von Untersee-Kabeln zwischen den beiden Inseln sowie von Irland aus in Richtung Amerika. Außerdem geht es um Cybersicherheit und besseren Informationsaustausch. In einer „unsicheren Welt“ stelle die Koordination mit London das Fundament ökonomischer und militärischer Sicherheit dar, sagte Taoiseach (gälisch für Häuptling) Micheál Martin.
Die grüne Insel pocht zwar auf ihre Neutralität, will sich dem Willen der Koalitionsregierung aus Martins nationalliberaler Fianna Fáil sowie der konservativen Fine Gael zufolge aber zukünftig an EU-Verteidigungsprojekten beteiligen. Den Iren ist im Dezember der Schreck in die Glieder gefahren: Während des Besuchs von Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj erspähte die Besatzung eines irischen Patrouillenbootes mehrere Drohnen in der Einflugschneise des Dubliner Flughafens. Weil aber weder Militär noch Polizei über entsprechende Technik verfügten, konnten die Flugkörper unbekannter Herkunft weder abgelenkt noch abgeschossen werden.
Als Sofortmaßnahme gegen ähnliche Peinlichkeiten hat sich Dublin zum Schutz der EU-Gipfel im zweiten Halbjahr 2026 der Hilfe französischer Kriegsschiffe versichert. Die erstmals formulierte „Nationale Marinestrategie“ soll zudem für besseren Schutz der umfangreichen Küsten sowie der 880.000 Quadratkilometer großen Seewirtschaftszone sorgen. Bisher wird diese offiziell von zwei seegängigen Patrouillenbooten der Samuel-Beckett-Klasse kontrolliert; sie verfügen dem IISS-Jahrbuch Military Balance zufolge über je eine 76-Millimeter-Kanone. Zwei weitere Boote, auch diese benannt nach berühmten irischen Schriftstellern, werden in Reserve gehalten.
Vermeidung weiterer Peinleichkeiten
In Wirklichkeit verlassen sich die Iren auf die Royal Navy, wenn es um die Beobachtung russischer Spionageschiffe und U-Boote geht. Diese sind mit der Auskundschaftung der gewaltigen Kabelstränge beschäftigt, die von Irlands Südwesten aus über den Atlantik führen. Den Luftraum über der Republik überwacht die Royal Airforce mit ihren Typhoon-Jets. Unter dem Eindruck der zunehmenden Gefährdung, vor allem durch Russland, soll nun das 750 Mann starke Air Corps aufgewertet werden und erstmals eigene Kampfjets erhalten.
Die Dubliner Regierung reagiert damit auf die lauter werdenden Forderungen des Nachbarn. Bei einer Debatte im Oberhaus gab es im vergangenen Herbst Kritik an der irischen Haltung. Der frühere Chef der Royal Navy kontrastierte Irlands mickrige Marine mit der viel größeren Flotte des NATO-Mitglieds Norwegen. „Wird es nicht langsam Zeit, den Iren zu sagen, dass sie angesichts der größeren Gefährdung einen angemessenen Beitrag zu ihrer Verteidigung leisten?“ fragte der Labour-Lord Alan West. Ähnlich äußerte sich auch die konservative Baronin und frühere Verteidigungs-Staatssekretärin Annabel Goldie. Der einflussreiche Belfaster Autor Sam McBride („For and against a united Ireland“) beschreibt die mangelnde Verteidigungsfähigkeit der Republik als Problemfaktor beim Bestreben, die Nordiren für die Wiedervereinigung der grünen Insel zu gewinnen.
Die Verteidigungsausgaben der grünen Insel sind seit Jahren gesunken; Irland bildet das Schlusslicht innerhalb der EU mit zuletzt 0,24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (2024). Für das laufende Haushaltsjahr erhielten die Streitkräfte im Herbst einen Zuwachs von elf Prozent. Damit sollen vor allem zusätzliche Soldaten rekrutiert werden, zunächst 400, bis 2028 2000 Männer und Frauen; verbessert wird die Ausstattung der bestehenden Kasernen. Die Armee hat große Schwierigkeiten, erfahrene Offiziere und Mannschaften zu halten – die Zivilgesellschaft bietet höhere Löhne und bessere Aufstiegsmöglichkeiten.
Im vergangenen Monat kündigte Ministerin McEntee den Kauf gepanzerter Armeetransporter sowie 155-Millimeter-Artilleriegeschütze vom Typ Caesar aus Frankreich an. Zu Monatsbeginn beschloss das Dubliner Kabinett erstmals die Entsendung hoher Offiziere als Verteidigungsattachés nach London, Paris und Washington. Bisher war diese Scharnier-Funktion auf EU und NATO beschränkt.