Iran-Krieg

IEA-Staaten wollen 400 Millionen Barrel aus Ölreserven freigeben

Angesichts der gestiegenen Energiepreise im Zuge des Iran-Krieges haben die Mitgliedsländer der Internationalen Energie-Agentur (IEA) die bislang größte Freigabe von Notfall-Ölvorräten beschlossen. Reserven von 400 Millionen Barrel Öl sollen freigegeben werden, teilte die Organisation am Mittwoch mit. Darauf hätten sich die 32 Mitgliedstaaten geeinigt.

Thailändisches Frachtschiff nach iranischem Angriff in der strategischen Straße von Hormus am Mittwoch getroffen

Am Mittwoch wurde ein thailändisches Schiff bei einem iranischen Angriff in der Straße von Hormus getroffen Foto: Handout/Royal Thai Navy/AFP

„Die Ölmärkte sind global, deshalb muss die Antwort auf größere Störungen ebenfalls weltweit erfolgen“, erklärte IEA-Chef Fatih Birol. Die nun beschlossene Menge ist mehr als doppelt so hoch wie die 182 Millionen Barrel, welche die IEA-Mitgliedstaaten 2022 nach Russlands Angriff auf die Ukraine auf den Markt gebracht hatten.

Japan und Deutschland waren am Mittag vorgeprescht. „Ohne eine formelle Entscheidung über koordinierte internationale Freigaben von Vorräten mit der IEA abzuwarten, hat Japan beschlossen, eine Vorreiterrolle bei der Entspannung der Angebots- und Nachfragesituation auf dem internationalen Energiemarkt zu übernehmen“, sagte Regierungschefin Sanae Takaichi. Das Land ist besonders stark von Öl- und Gasimporten aus der Golfregion abhängig.

Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte in Berlin die Freigabe von 2,4 Millionen Barrel Öl aus den Bundesreserven an. Sie verwies auf ein entsprechendes Ersuchen der IEA vom Vortag. Zudem hätten insbesondere Japan aber auch die USA darauf gedrungen, ein Signal an den Markt zu senden, um die Preise zu beruhigen.

Ipek Ozkardeskaya, Analystin bei der Handelsplattform Swissquote Bank, verwies auf den durchschnittlichen Verbrauch von 45 Millionen Barrel der IEA-Länder pro Tag. 400 Millionen Barrel an freigegebenen Reserven seien immer noch eine „geringe“ Menge. Es handle sich um „eine vorübergehende Lösung“, um die Preise unter Kontrolle zu halten. Die 32 Mitglieder der IEA verfügen insgesamt über Reserven von mehr als 1,2 Milliarden Barrel.

IEA-Staaten wollen 400 Millionen Barrel aus Ölreserven freigeben

Warnung vor Angriffen auf Häfen

Unterdessen hat die US-Armee die iranische Bevölkerung vor möglichen Angriffen auf Häfen entlang der Straße von Hormus gewarnt. Das US-Militärkommando für den Nahen Osten (Centcom) rief Zivilisten am Mittwoch auf, alle Hafenanlagen an der Meerenge umgehend zu meiden, in denen iranische Seestreitkräfte operierten, wie es in einer im Onlinedienst X verbreiteten Erklärung hieß.

Der Iran nutze „zivile Häfen entlang der Straße von Hormus für militärische Operationen, die den internationalen Schiffsverkehr bedrohen“, hieß es in der Centcom-Erklärung. „Zivile Häfen, die für militärische Zwecke genutzt werden, verlieren ihren Schutzstatus und werden nach dem Völkerrecht zu legitimen militärischen Zielen.“ Die US-Streitkräfte könnten die Sicherheit von Zivilisten deshalb nicht gewährleisten.

Die iranischen Streitkräfte erklärten daraufhin, sollten iranische Häfen angegriffen werden, dann würden sie ihrerseits gegen Häfen in der Region zurückschlagen. „Wenn unsere Häfen und Docks bedroht werden, werden alle Häfen und Docks in der Region zu unseren legitimen Zielen“, sagte ein Sprecher der Streitkräfte laut dem iranischen Staatsfernsehen. „Wir fordern die Länder der Region auf, die Amerikaner aus ihrem Land zu vertreiben“, fügte er hinzu.

28 iranische Minenleger angegriffen

Die USA haben nach den Worten von Präsident Donald Trump mehr als zwei Dutzend iranische Minenleger angegriffen. „Wir haben bis jetzt 28 Minenschiffe getroffen“, sagte Trump am Mittwoch zu Reportern bei einer Reise in den US-Bundesstaat Ohio. Zuvor hatte das US-Militär die Zahl der zerstörten Minenleger mit 16 angegeben. Trump hatte die Führung in Teheran am Dienstag davor gewarnt, die für die weltweite Schifffahrt bedeutsame Straße von Hormus zu verminen.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten erklärt, bis zum Ende des Iran-Krieges keine Ölexporte aus der Region an Verbündete der USA und Israels zu erlauben. Normalerweise passiert rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports die Straße von Hormus. Seit Kriegsbeginn hat der Iran dort mehrfach Öltanker angegriffen. Zudem erklärten die Revolutionsgarden die Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel für gesperrt.

Am zwölften Tag des Iran-Krieges haben sowohl Israel als auch der Iran weitere massive Angriffswellen geflogen. Die israelische Armee startete eigenen Angaben zufolge am Mittwoch eine neue „groß angelegte Angriffswelle“ im gesamten Iran. Zudem griffen die israelischen Streitkräfte erneut Ziele der pro-iranischen Hisbollah-Miliz in südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut an, nachdem Israel zur Evakuierung der Gebiete aufgerufen hatte.

Die iranischen Revolutionsgarden bezeichneten ihrerseits die jüngste iranische Angriffswelle auf Ziele in Israel und den Golfstaaten als die bislang „intensivste und schwerste“, wie der iranische Staatssender Irib berichtete.

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