Konflikt

Erste NATO-Soldaten auf Grönland – Generalsekretär Rutte wiegelt ab

Die Nachricht klingt spektakulär: Erste NATO-Truppen sind auf Grönland gelandet. Fast scheint es, als habe sich die NATO im Streit mit den USA auf die Seite der Europäer geschlagen – und als könne es jederzeit zum Showdown mit US-Präsident Donald Trump kommen.

Dänische Luftwaffenmaschine landet am Flughafen Nuuk, Ausbau der militärischen Präsenz in Grönland am Donnerstag

Eine Maschine der dänischen Luftwaffe landete am Donnerstag auf dem Flughafen in Nuuk: Die dänische Regierung will ihre Militärpräsenz in Grönland ausbauen Foto: Alessandro Rampazzo/AFP

Die Realität sieht anders aus: Bei der Operation „Arctic Endurance“ geht es nicht um eine offizielle NATO-Mission, sondern zunächst nur um eine dänisch-europäische Initiative. Das Nordatlantik-Bündnis versucht, sich aus dem Streit über die von Trump angedrohte Annexion Grönlands herauszuhalten – oder es beschwichtigt.

Dies hat ein Auftritt von NATO-Generalsekretär Mark Rutte am Dienstag im Europaparlament in Brüssel gezeigt. Auf Einladung der Liberalen sollte Rutte einen Ausblick auf das neue Jahr geben. Der Niederländer redete über die Ukraine und die Gefahr aus Russland – doch über Grönland verlor er kein Wort. Auf Nachfrage wurde es nicht besser.

Rutte erklärte, im Sommer 2025 habe die NATO zuletzt über die Sicherheit in der Arktis gesprochen. Es sei ein gutes Gespräch gewesen, betonte er. Unter den Alliierten habe Einigkeit bestanden, dass man mehr tun müsse, um die Arktis vor Russland und China zu schützen. Auf Trumps Drohungen gegen Grönland und Dänemark ging Rutte nicht ein.

Offenbar wollte der NATO-Chef seinen amerikanischen „Daddy“ schonen, wie er Trump scherzhaft nennt. Immer wieder biedert sich Rutte beim US-Präsidenten an, immer wieder spielt er Konflikte in der NATO herunter. Doch lange wird er damit nicht mehr durchkommen – der Konflikt droht die Allianz zu lähmen und am Ende sogar zu spalten.

„Wenn Trump in Grönland einmarschiert“, dann wäre dies „das Ende der NATO“, warnt die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Viele Europäer sehen dies ähnlich. Um den Konflikt zu entschärfen, haben mehrere Länder eine NATO-Mission „Arctic Sentry“ vorgeschlagen. Sie könnte die Gewässer rund um Grönland überwachen und so die amerikanischen Sorgen vor einer wachsenden russischen Präsenz lindern.

Deutschland und Großbritannien sollen sich sogar bereit erklärt haben, Truppen für diese Mission zu stellen. Doch NATO-Chef Rutte griff den Vorschlag nicht auf, denn bei den USA stieß er auf wenig Gegenliebe. Ohne oder gar gegen die Amerikaner geht in der NATO jedoch gar nichts. Die Folge: Die Militärallianz wirkt derzeit wie gelähmt.

Europäer handeln nicht geschlossen

Dass die Operation „Arctic Endurance“ darin etwas ändern wird, ist kaum zu erwarten. Denn die Europäer sind in der NATO schlecht organisiert. Der viel beschworene „europäische Pfeiler“ existiert nur auf dem Papier. Das militärische Oberkommando für Europa – und damit auch für Grönland – liegt bei einem amerikanischen General.

Zudem handeln die Europäer nicht so geschlossen, wie es nach der Entsendung von Soldaten nach Nuuk aussehen mag. Grönland und Dänemark leisten vor allem verbale Gegenwehr; nach dem erfolglosen Gipfeltreffen mit der US-Administration im Weißen Haus am Mittwoch setzen sie auf eine diplomatische Lösung des Konflikts.

Militärische Tatkraft beweist dagegen Frankreich. Schon vor einem Jahr hatte Präsident Emmanuel Macron vorgeschlagen, ein europäisches Militärkontingent nach Grönland zu schicken. Am Donnerstag berief er den nationalen Verteidigungsrat ein. Danach hieß es in Paris, man wolle eine europäische Militärübung vorbereiten.

Wesentlich vorsichtiger klingt es in Berlin. Verteidigungsminister Boris Pistorius hob hervor, wie wichtig die Koordinierung innerhalb der NATO sei – „insbesondere mit unseren US-Partnern“. Nach Widerstand gegen Trump klingt das nicht – eher nach Appeasement.

1 Kommentare
Jean-Marie GROBER 16.01.202614:21 Uhr

Die Ärzte zum Präsidenten: "Tut uns leid, Mr. President, aber wir konnten Ihre Darmspiegelung nicht durchführen. Da waren Mr. Rutte und Mr. Infantino schon drin!"

Das könnte Sie auch Interessieren

Social-Media-Verbot wirkt

Meta sperrt eine halbe Million Konten in Australien