Iran-Krieg

Empörung bei den Briten über Trumps NATO-Drohung

Im Vereinigten Königreich herrscht erhebliche Skepsis gegenüber Donald Trumps Forderung nach Kriegsschiffen der Verbündeten am Persischen Golf.

Keir Starmer spricht sich gegen Einsatz der Royal Navy in der strategischen Straße von Hormus aus

Der britische Regierungschef Keir Starmer will die Royal Navy derzeit nicht in die Straße von Hormus schicken Foto: Brook Mitchell/Pool/AFP

Man werde sich nicht in einen Krieg ziehen lassen, betonte Premier Keir Starmer (Labour) am Montag. In seinem Telefonat mit dem US-Präsidenten tags zuvor habe er „über einen praktikablen Plan“ zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus gesprochen. Dabei müssten möglichst viele Partner aus Europa und Asien sowie den Golfstaaten einbezogen werden: „Das ist, vorsichtig gesagt, weder leicht noch unkompliziert.“

Der Financial Times hatte Trump am Sonntag gesagt, die NATO habe „eine sehr schlimme Zukunft“, falls die Verbündeten ihm nicht zu Hilfe eilten. Der Ton des Präsidenten sei „echt besorgt“ gewesen, berichtete FT-Büroleiter Edward Luce. Auf die Drohung gegenüber der NATO ging der diplomatisch agierende Starmer während seiner Pressekonferenz nicht ein.

Hinter verschlossenen Türen aber geben sich Regierungsmitglieder und Fachleute genervt. Öffentlich machte dies, wie es auf der Insel üblich ist, ein hoher Offizier im Ruhestand. Die NATO sei „ein Verteidigungsbündnis, viermal unterstrichen“, teilte General Nick Carter kühl der BBC mit. „Da kann nicht ein Mitglied einen Krieg seiner Wahl vom Zaun brechen und dann den anderen Gefolgschaft befehlen“, so der von 2018 bis 2021 amtierende Chef des Verteidigungsstabes. „Einem solchen Klub möchten wir gar nicht angehören.“

Iran hat „sehr fähige Streitmacht“

Noch vor Wochenfrist hatte Trump damit geprahlt, die US-Marine könne die Route für den internationalen Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus freimachen. Die Meeresenge weist an der engsten Stelle eine Breite von lediglich 38 Kilometern auf. Wegen Teherans Drohungen scheuen viele Reeder und Besatzungen vor der Durchfahrt zurück, weshalb sich beiderseits des Nadelöhrs mindestens 1.000 Schiffe, darunter viele Supertanker, stauen.

Dem Iran stehen nicht nur größere Mengen von Minen zur Verfügung, sondern dem Londoner Thinktank IISS zufolge auch eine „sehr fähige Streitmacht“ schneller, seegängiger Patrouillenboote. Wenn da ein Schwarm angreife, beschreibt der frühere Fregattenkapitän Tom Sharpe die Gefährdung für Kriegs- wie Handelsschiffe in der Meerenge, brauche es enge Unterstützung durch Kampfjets: „Die Boote muss man aus der Luft bekämpfen.“ Hinzu kämen natürlich Attacken durch iranische Drohnen und U-Boote.

Die Briten haben seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran den Zerstörer „HMS Dragon“ Richtung Zypern in Marsch gesetzt, nachdem dort der Luftwaffenstützpunkt Akrotiri mehrfach von iranischen Drohnen angegriffen worden war. Eine Weiterfahrt zum Golf sei nicht geplant, heißt es in London. Unterwegs zum Kriegsschauplatz ist das Landeschiff „RFA Lyme Bay“; es soll britische Staatsbürger aus der Region evakuieren, falls dies per Luft nicht möglich ist. Zudem nähert sich durch den Indischen Ozean das atombetriebene, mit Tomahawk-Raketen ausgestattete U-Boot „HMS Anson“.

Royal Navy leidet unter Sparprogrammen

Vor Ort, nämlich in Bahrain, halten sich lediglich acht RN-Spezialisten auf. Sie kontrollieren von dort aus maritime Drohnen, die auf die Minenjagd spezialisiert sind. Herkömmliche Minensuchschiffe haben sowohl die Briten als auch die Amerikaner in den vergangenen Monaten vom Golf abgezogen. Gegenüber dem bisher unerprobten, in Zusammenarbeit mit Frankreich entwickelten System besteht bei Fachleuten wie Sharpe erhebliche Skepsis. Sollten die unbemannten Miniboote zum Einsatz kommen, „wird sich bald der Unterschied zwischen der Hersteller-Beschreibung und einem Kampfgebiet herausstellen“.

Die im vergangenen Jahr unter Leitung des früheren NATO-Generalsekretärs George Robertson erarbeitete Strategie-Revision SDR stellte „erhebliche Deckungslücken“ bei der Kampfbereitschaft aller Waffengattungen fest. Die einst weltberühmte Royal Navy (RN) hat unter den Sparprogrammen der ersten zwei Jahrzehnte unseres Jahrhunderts stark gelitten.

Das gilt auch für die atomwaffenbestückte U-Boot-Flotte. Bis die vier, allesamt um die 30 Jahre alten U-Boote der Vanguard-Klasse ersetzt werden, dürften noch gut fünf Jahre vergehen. Unterdessen mühe sich die RN damit ab, dauerhaft mindestens eines der Schiffe auf Patrouille zu haben, urteilt das IISS-Jahrbuch „Military Balance“. Dabei absorbiere das Atomwaffen-Programm, das demnächst wieder um Atombomben an Bord von F-35A-Kampfjets ergänzt werden soll, einen „zunehmend erheblichen Teil“ des britischen Wehrbudgets.

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